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Vier Filme für Kinder und Jugendliche im Kino

Es ist eine Kinderfantasie, den Spieß umzudrehen und die Erwachsenen, die einen sonst he­rum­kommandieren, der eigenen Allmacht zu unterwerfen: In „Die Noobs“ müssen sie Kindern gehorchen, die im Besitz einer besonderen Fernsteuerung sind. Eigentlich soll die Fernsteuerung vier Außerirdischen helfen, die die Invasion der Erde vorbereiten, doch das Gerät versagt bei Kindern – somit ist es an ihnen, die Welt zu retten. Mit viel Action und Slapstick, aber auch einem netten Alien, wird hier eine Science-Fiction-Geschichte für jugendliche Zuschauer tauglich gemacht.
Robert Rodriguez (der schon mit der „Spy Kids“-Trilogie“ hübsche Abenteuerfilme für Kinder drehte) greift dagegen in „Das Geheimnis des Regenbogensteins“ das klassische Märchenmotiv von der verhängnisvollen Wunscherfüllung auf. Dank eines geheimnisvollen Steins bricht hier in der Kleinstadt Black Falls das Chaos aus, wenn die Wünsche in Erfüllung gehen. Das ist manchmal einfach komisch, wenn mit verschobenen Bedeutungen gearbeitet wird: „Grow up!“ wünscht sich ein Mädchen von ihrem Freund, woraufhin der aber nicht reifer wird, sondern nur größer. Einen eindeutigen Gegensatz zwischen Kindern und Erwachsenen kennt dieser Film in dieser Beziehung nicht, auch die Kinder machen Fehler in ihrer Wunschgier. Rodriguez, der den Film selber als „ultimative Spielwiese“ bezeichnet hat, nützt die Möglichkeiten der Tricktechnik für allerlei verblüffende Einfälle. Fantasieanregend ist das allemal, und auch die einzelnen Figuren sind gut konturiert.
Wunscherfüllung im Traum verschafft sich der elfjährige Titel­held in „Lippels Traum“: Als sein Vater ihn in der Obhut der neuen Haushälterin Frau Jakob lässt, entpuppt die sich als höchst pedantisch und nimmt ihm sogar das Buch mit den „Märchen aus tausendundeiner Nacht“ weg. Also träumt Lippel die darin angefangene Geschichte einfach weiter. Dabei ist er in der Welt des alten Orients selber eine der handelnden Figuren, und viele der Personen aus der Gegenwart haben ihre Doppelgänger in der Traumwelt – mit jeweils ganz ähnlichen Charakterzügen. Diese Parallelisierung ist in der Adaption von Paul Maars Buch ein wenig zu mechanisch geraten, aber dafür gefällt, dass Anke Engelke als Frau Jakob nur mit einem Zucken ihrer Mundwinkel Bosheit ausdrücken kann, statt wie so viele Schurkendarsteller in Kinderfilmen übertrieben zu spielen.
In gewisser Weise konstruiert auch „Gangs“ eine Fantasie- und Wunschwelt, die Bösen tragen hier weite lange Mäntel, und die Liebesgeschichte spielt sich zwischen einem Mädchen aus gutem Hause und einem Gang-Mitglied ab. Aber natürlich ist der von Jimi Blue Ochsenknecht verkörperte Flo ein guter Kerl, der nur unter dem Einfluss seines Bruders zeitweise auf die schiefe Bahn gerät. So sehr man sich freut, dass hier ein Genre wiederbelebt wird, das mit „Die Halbstarken“ einst einen deutschen Klassiker produziert hat, bleibt die Mischung zwischen realistischen und stilisierten Elementen doch halbherzig.

Text: Frank Arnold

Die Noobs – Klein aber gemein (Aliens in the Attic), USA 2009; Regie: Thor Freudenthal; Darsteller: Kevin Nealon (Stuart Pearson), Robert Hoffman (Ricky Dillman), Doris Roberts (Nana Rose Pearson); Farbe, 86 Minuten

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Die Noobs – Klein aber gemein“ im Kino in Berlin

Kinostart: 8. Oktober

 

Das Geheimnis des Regenbogensteins (Shorts), USA/Vereinigte Arabische Emirate 2008; Regie: Robert Rodriguez; Darsteller: Jimmy Bennett (Toe Thompson), Jake Short (Nose Noseworthy), Kat Dennings (Stacey Thompson); Farbe, 89 Minuten

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Das Geheimnis des Regenbogensteins“ im Kino in Berlin

Kinostart: 1. Oktober

 

Lippels Traum, Deutschland 2008; Regie: Lars Büchel; Darsteller: Karl Alexander Seidel (Lippel), Anke Engelke (Frau Jakob/Böse Tante),
Moritz Bleibtreu (Otto Mattenheim/König); Farbe, 101 Minuten

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Lippels Traum“ im Kino in Berlin

Kinostart: 8. Oktober

 

Gangs, Deutschland 2009; Regie: Rainer Matsutani; Darsteller: Jimi Blue Ochsenknecht (Flo), Aaron Hong Le (Otto), Wilson Gonzalez Ochsenknecht (Chris); Farbe, 90 Minuten

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Gangs“ im Kino in Berlin

Kinostart: 1. Oktober

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