Kino & Stream

Visconti – Retrospektive im Babylon Mitte

Sehnsucht

Mit „Ossessione“ (1943), seiner Version des Romans „The Postmann Always Rings Twice“ von James M. Cain, begründete Luchino Visconti seinerzeit den italienischen Neorealismus: eine notwendige Reaktion auf die verlogenen Historiendramen und Salonkomödien, die das italienische Kino gegen Ende der faschistischen Herrschaft beherrschten. „La terra trema“ (1948), das mit Laien besetzte Drama um das harte Leben einer sizilianischen Fischer­familie, setzte einen weiteren Höhepunkt der Bewegung. Und auch als der adelige Marxist später längst zum Meister epischer Supermelodramen wie „Sehnsucht“ (1954, Foto) und mondän-dekadenter Untergangsszenarien („Die Verdammten“, „Tod in Venedig“, „Ludwig II.“, „Gewalt und Leidenschaft“) avanciert war, blieb er dem detailversessenen Realismus doch stets treu. In Zusammenarbeit mit dem Italienischen Kulturinstitut zeigt das Babylon Mitte in einer Retrospektive jetzt alle verfügbaren Filme dieser zentralen Größe des europäischen Autorenfilms, (fast) ausschließlich in 35mm-Kopien und im Original mit englischen Untertiteln.

Text: Lars Penning

Foto: Verleih

Visconti – Die Retrospektive, Fr 21.6. bis So 30.6. im Babylon Mitte

www.babylonberlin.de/luchinovisconti.htm

Mehr über Cookies erfahren