Coming of Age

„Viva“ im Kino

Ein Schlag ins Gesicht, aber nicht irgendein Schlag, sondern vom eigenen Vater, beschert dem Auftritt von Jesus ein brutales Ende.

Foto: Salzgeber

In einer Drag-Bar Havannas hat Jesus, Friseur und Gelegenheitsstricher Anfang 20, zuvor nur die Perücken auf Vordermann gebracht, dann aber Glamour und Drama geschnuppert und es schließlich auf die Bühne geschafft, zur Lip-Sync-Performance bei Klängen klagender lateinamerikanischer Diven. Nun aber ist der verlorene Vater zurückgekehrt, nach 15 Jahren Gefängnis. Ein gealterter Box-Champion von lokalem Ruhm, der jemanden umgelegt hat.

Jesus kann sich auf quasi nichts verlassen: Die Drag-Mädels im Club sind lästernde Klatschbasen; seine beste Freundin Cecilia fordert immerzu, ohne zu geben; die Freier zahlen fast so schlecht wie die herzliche alte Nita, die er frisiert.

„Viva“ erzählt in zauberschön durchkomponierten Bildern im maroden Havanna die Geschichte eines Haderns mit sich selbst. Er unterläuft die Klischees, die er kurzfristig anbietet, meist wieder: Der Vater ist nicht bloß ein rumsaufendes homophobes Arschloch, sondern jemand, für den man bald Mitleid hat. Irland hat „Viva“ dieses Jahr für den Auslands-Oscar eingereicht, wo er leider nicht auf die Shortlist kam. Dabei hat der hochglänzende Selbstfindungstrip so einige Szenen zu bieten, die Academy-tauglich gesellschaftlich relevant auf die Tränendrüse drücken. Gay Cinema ist allzu oft gutgemeint-okay, aber dieser Film sticht durch seine Narration und seine Bilder deutlich aus der Durchschnittsware heraus.

Viva IRL 2015, 100 Min., OmU, R: Paddy Breathnach, D: Jorge Perugorría, Luis Alberto García, Start: 15.9.

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