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„Viva Riva!“ im Kino

Viva Riva

Einen Cunnilingus durch ein vergittertes Klofenster sieht man nicht alle Tage im Kino. Das gilt auch generell für Filme aus dem Kongo, wo die Kinoindustrie unterentwickelt ist und vor allem US-Ware sowie Billigproduktionen aus Nigeria vermarktet werden. Mit jährlich 1?000 bis 1?500 Filmen gilt Nigeria nach Indien als zweitgrößtes Produktionsland der Welt. Typische Motive aus dem nigerianischen Kino, in Anlehnung an Bollywood auch Nollywood genannt, werden auch in „Viva Riva!“ verarbeitet: Korruption, Prostitution, Schwarzmarktgeschäfte, Gewalttaten, sexuelle Verlockung und Sehnsucht nach Reichtum, Luxuswohnungen und teuren Autos. Regisseur Djo Tunda Wa Munga aus Kinshasa hat in Belgien Film studiert und Inspirationen aus dem europäischen und amerikanischen Kino gewonnen. Ein dandyhaft mit weißem Schal, Hut und Anzug gekleideter Gangster in „Viva Riva!“ beispielsweise erinnert mit seinem christlich verbrämten Geschwätz an den von Samuel L. Jackson verkörperten, Bibelsprüche klopfenden Killer in „Pulp Fiction“. Einen krassen Kontrast zum bisweilen parodistischen, humorvollen Ton bieten naturalistische Darstellungen von elenden Lebensbedingungen, familiärer Zerrüttung, moralischer Verkommenheit, auch bei Kirchenvertretern, und extrem brutaler Gewalt – die explizit gezeigten Folterungen sind auch für den Zuschauer quälend. Die Hauptfigur Riva ist ein Überlebenskünstler und in gewisser, überzeichneter Weise ein Repräsentant seiner Landsleute in Kinshasa, die sich trotz wirtschaftlichen Notstands, grassierender Kriminalität und Krieg nicht unterkriegen lassen, die beharrlich nach etwas Frohsinn und einem besseren Leben streben. Riva schmuggelt, als Benzin Mangelware im Kongo ist, eine gestohlene Lkw-Ladung Sprit aus Angola, verkauft sie auf eigene Rechnung, prahlt mit dem Geld, baggert die kapriziöse Geliebte des lokalen Obergangsters an und gerät so in Teufels Küche. Im Gegensatz zur Notlage im Filmgeschehen, wo den Tankstellen der Sprit fehlt, verfügt dieser mit viel Esprit inszenierte Thriller über mehr als genug Treibstoff, um die Handlung mit Vollgas voranzutreiben.

Text: Ralph Umard

Foto: Summiteer Films

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Viva Riva!“ im Kino in Berlin

Viva Riva!, Kongo/Frankreich/Belgien/Südafrika 2010; Regie: Djo Tunda Wa Munga; Darsteller: Patsha Bay (Riva), Manie Malone (Nora), Hoji Fortuna (Cйsar); 97 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 15. März

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