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Volker Koepp im Interview

Volker Koepp

tip Der Begriff von Heimat wird in Ihren Filmen oft diskutiert, und das meist jenseits von Nationalitäten und Staatsangehörigkeiten. Was ist Ihr Begriff von Heimat?
Volker Koepp Die Russen sagen: Heimat ist da, wo der warme Ofen steht. Ich glaube, dass es bei aller Globalisierung wichtig ist, dass man einen Ort hat, mit dem man Erinnerung verbindet und mit dem man Landschaften oder Stadtlandschaften assoziiert und wo man auch Freunde hat.

tip Wenn wir über Landschaft sprechen, müssen wir auch über Ihren Kameramann Thomas Plenert reden, mit dem Sie bereits seit den Zeiten der DEFA zusammenarbeiten. Wie muss man sich die konkrete Arbeit zwischen Ihnen vorstellen?
Volker Koepp Voraussetzung ist natürlich, dass es ihn auch interessiert, was ich so vorhabe. Er liest auch immer diese ganzen historischen Sachen, der liest, glaube ich, drei Bücher am Tag. Mitte der 70er-Jahre hatte ich ja schon mit Landschaftsfilmen begonnen, damals noch mit Christian Lehmann. Das war immer ein Ausgangspunkt, dass man Menschen in ihren Landschaften zeigt, ihrer Heimat. Das habe ich dann mit Plenert fortgesetzt. Er hat dann seine Auffassung von Landschaftsfotografie dazugebracht.

tip Sie lassen ihm also auch Freiheiten…
Volker Koepp Ja, ich gucke nicht bei jeder Einstellung selbst durch die Kamera, da verlasse ich mich ganz auf ihn. Wir sind in der Regel vier oder fünf Leute: Kamera, Kameraassistent, Tonmeister und Produktionsleiter. Es gab im Dokumentarfilm ja mal die Bewegung, dass man sich mit der Kamera verstecken sollte oder zumindest nicht so auffällig dreht. Ich habe immer die gegenteilige Erfahrung gemacht. Als wir bei Frau Zuckermann mit einer großen Kamera gedreht und bei 35-mm-Film nach dreieinhalb Minuten die Rollen gewechselt haben, da wurde nichts zerstört. Im Gegenteil, Frau Zuckermann freute sich: „Ach, das ist ja richtige Arbeit.“

Volker Koepptip In Ihren Filmen drückt sich immer auch eine gegenseitige Neugier aus. Ihre Protagonisten scheinen oft genauso neugierig auf Sie und das Team zu sein wie umgekehrt.
Volker Koepp Ich habe das Gefühl, dass die Menschen, denen man begegnet, wissen, ob man einfach nur mal kurz vorbeikommt, oder ob man wirklich ernsthaft an ihrem Leben interessiert ist. Das hat auch zur Folge, dass es diese Verbundenheit über Jahre oder Jahrzehnte gibt. Und das ist ja auch schön. Tanja kommt am nächsten Wochenende, Ana war letzte Woche da.

tip Wie wichtig ist es, den Menschen ein Geheimnis zu lassen? Ihr Fragestil ist ja nicht gerade inquisitorisch zu nennen, Sie stupsen die Menschen eher behutsam an.
Volker Koepp In der ersten Phase meines filmischen Lebens, da hieß eine Einstellung noch Schuss, oder man sagte, ich muss jetzt jemanden knacken. Aber das ist eine andere Herangehensweise. Ich war zu faul, um etwas zu knacken. Ich mache lieber Filme über freundliche Menschen, die ich in mein Herz schließen kann. Und ich will dann auch gar nicht alles wissen. Auch wenn ich oft mehr weiß oder mehr ahne… Wenn es an der Zeit ist, wird man es mir sagen.

Interview: Lars Penning

Foto oben: David von Becker

Foto unten: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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