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Vom Trickfilm zur Konsole

ni_no_kuniSpätestens seit „Chihiros Reise ins Zauberland“ auf der Berlinale 2002 den Goldenen Bären gewann, ist das japanische Ghibli-Zeichentrickstudio auch deutschen Kinogängern ein Begriff. Die Filme von Hayao Miyazaki und Isao Takahata sind Meisterwerke der Animationskunst, die auch Erwachsene begeistern können. Vom knuffigen „Mein Nachbar Totoro“ bis zur Meeresfabel „Ponyo“ führen sie in fantastische Welten, die vor Detailreichtum förmlich überquellen und Schauplatz unvorhersehbarer Geschichten sind: Welten, wie geschaffen für ein Videogame. Nun ist die kreative Energie des Studios (in Zusammenarbeit mit dem renommierten Entwickler-Studio Level 5) in ein Videogame eingeflossen, für das ein neu entworfener Fantasy-Kosmos im unverkennbaren Animationsstil spielbar wird.

Die Handlung von „Ni No Kuni – Der Fluch der Weißen Königin“ liest sich wie die Synopsis zu einem prototypischen Ghibli-Werk – auch wenn anders als in den meisten Filmen hier ein Junge im Mittelpunkt steht. Der 13-jährige Oliver erlebt gleich zu Beginn des Spiels einen Schicksalsschlag, als seine Mutter unerwartet stirbt. Ausgelöst durch seine Trauer und seine Tränen wird eines Nachts seine Puppe namens Tröpfchen lebendig. Nur wenige Momente später ist Oliver ein Zauberlehrling, der dem drolligen Feen-König in einen wundersamen Parallelkosmos folgt. Sein Ziel: Seine Mutter doch noch zu retten.

In dieser Spielewelt gibt es viel zu entdecken, frei zu erkunden und einzusammeln. Man muss seine Fähigkeiten entwickeln, zaubern und zahlreiche (Boss-) Gegner erledigen. „Ni No Kuni“ ist dabei allerdings weniger Adventure, sondern vor allem ein ganz klassisches, japanisches Rollenspiel, das Erinnerungen an frühere Großtaten des Genres wachruft. Wer sich weniger mit den Feinheiten des Kampfsystems beschäftigen möchte, bei dem taktisches Vorgehen gefragt ist, kann die Fights gegen allerlei Fantasiegestalten auch im einfachen Modus austragen, um so die Handlung etwas in den Vordergrund zu rücken. Doch gleich, wie man sich entscheidet: Mit „Ni No Kuni“ gelingt dem Studio um Miyazaki der Transfer seines Universums in ein äußerst umfangreiches, wunderhübsches, witziges und anrührendes Game. Auch erwachsene Fans werden darin viel von dem entdecken können, was die Ghibli-Filme so großartig macht.

Text: Sascha Rettig

Ni No Kuni – Der Fluch der Weißen Königin Playstation 3, ca. 50 Euro

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