Dokumentarfilm

„Von Sängern und Mördern“ im Kino

Gerüchteweise hatte man ja immer mal wieder etwas gehört von einem Gesangswettbewerb in russischen Gefängnissen. Der Gedanke an eine zynische Propagandashow lag nahe

Glaubt man dem Dokumentarfilm „Von Sängern und Mördern“ von Stefan Eberlein („Parchim International“), dann ist jedoch alles ganz anders. Wjatschislav Klimenkov, der Betreiber eines Musiklabels, und Natalia Abaschkina, die gemeinsam den Wettbewerb „Kalina Krasnaja“ organisieren, sind jedenfalls von dessen Bedeutung als Resozialisierungsprojekt überzeugt. Die Regisseurin Natalia hat ihr früheres Leben – Mann, Freunde, Firma – aufgegeben, um sich dem Wettbewerb zu widmen; sie ist den teilnehmenden Gefangenen nicht nur künstlerische Beraterin, sondern auch mitfühlende Freundin.

Der Film begleitet den Wettbewerb des Jahres 2014 und stellt seine Protagonisten dabei in unkommentierten Interviews vor: Die Gefangenen berichten von ihren Hoffnungen und Wünschen, die sich teilweise auch in ihren oft sehr sentimentalen Liedtexten widerspiegeln. Ob sie alle sich unwillentlich doch zum Werkzeug von Propaganda machen lassen, klärt die Dokumentation nicht, ebenso wenig wie Schuld und Sühne oder die Haftbedingungen in russischen Lagern.

Stattdessen erzählt der Film vom Menschen als komplexem Wesen und von der Kunst als Hoffnungsträger. Und er beschreibt auch, wie die Sänger und Mörder nach ihrer Haftentlassung in ein tiefes Loch fallen, weil sich niemand mehr um sie kümmert. Nicht einmal mehr die Veranstalter eines Gesangswettbewerbs. Lars Penning

Von Sängern und Mördern D 2016, 90 Min., R: Stefan Eberlein, Start: 7.9.

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