Drama

„Vor dem Frühling“ im Kino

Der Präsident: „Vor dem Frühling“ schaut auf georgische Politik

Neue Visionen/ Irakli Gedenidze

Georgien – für viele hier wohl kaum mehr als eine dieser ehemaligen Sowjetrepubliken, die nach dem Zerfall der UdSSR unabhängig wurden. Viel zu lernen gäbe es über die georgische Historie, doch eine Geschichtsstunde ist George Ovashvilis Film „Vor dem Frühling“ ganz und gar nicht. Spärliche Texttafeln informieren zu Beginn über den politischen Hintergrund, doch schon hier ist immer nur von einem „Präsidenten“ die Rede, der einmal demokratischer Hoffnungsträger war und nun nach Jahren im Exil zurückgekehrt ist.

Doch zusammen mit einer Schar immer spärlicher werdender Getreuer befindet sich dieser (Ex-)Präsident auf der Flucht. Womit im Kern die Handlung dieses ruhigen Dramas erzählt ist, das einem langen Weg nach Khibula (so auch der Originaltitel) folgt –– einem Ort, der jedem Georgier bekannt ist. Hier starb am 31. Dezember 1993 unter nie ganz geklärten Umständen Swiad Gamsachurdia, der ungenannte Präsident, um den es hier geht.

Ein biografischer Film ist dies also auch, was nicht nur durch Personen und Ereignisse deutlich wird, sondern auch durch Begegnungen des Präsidenten mit Bürgern. Kurze Gespräche entwickeln sich, in denen manche dem Staatsoberhaupt ihre Sympathie aussprechen, andere ihn auf Vorwürfe des Machtmissbrauchs, der Korruption oder gar Gräueltaten ihm loyaler Truppen ansprechen. Konkret ist das und zugleich abstrakt, universell in seinem fast kontemplativen Umkreisen großer Fragen: über Macht, das Festhalten an ihr, und den Verlust eines klaren Blicks auf die Realität. Michael Meyns

Vor dem Frühling GEO/D/F 2017, 99 Min., R: George Ovashvili, D: Hossein Mahjoub, Lika Babluani, Start: 29.3.

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