Politsatire

„Vorwärts immer!“ im Kino

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistische Einheitspartei Deutschlands wirkte mit seinem Gebrabbel mitunter selbst wie eine Karikatur

Foto: Nadja Klier

Nicht nur deshalb ist eine Satire über Erich Honecker eine knifflige Angelegenheit. Es braucht einen Schauspieler, der den mächtigsten Mann der DDR glaubwürdig verkörpert. Und der, trotz des satirischen Ansatzes, den Unrechtsstaat nicht verharmlost. Dazu ist eine Geschichte nötig, die dem Ganzen standhält. Man darf konstatieren: Die 1973 in Leipzig geborenen Regisseurin Franziska Meletzky und ihr Team haben die Mammutaufgabe großteils gestemmt.

Die DDR im Oktober 1989. Wie wird die Staatsführung auf die Riesendemo in Leipzig reagieren? Wird es zu einem Massaker kommen? Der Theaterschauspieler Otto Wolf (Jörg Schüttauf) hat andere Sorgen: Er soll als Erich Honecker in einem gesellschaftskritischen Stück glänzen. Doch als er erfahren muss, dass seine Tochter Anne (Josefine Preuß), unterstützt von dem Rebellen August (Jacob Matschenz), nach Leipzig zur Demo unterwegs sind, muss er handeln. Denn dort soll laut einer sicheren Quelle scharf geschossen werden. Der Plan: Weil der echte Honecker auf Jagd ist, soll Wolf als falscher Honecker im Zentralkomitee den Schießbefehl zurücknehmen.

Das Erstaunliche an diesem ungewöhnlichen Film: Es sind die hanebüchenen Situationen, die überzeugen. Der wunderbar aufspielende Jörg Schüttauf stolpert durch einen Plot, der vom Ansatz her an Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ erinnert und in dem sich eine haarsträubende Szene an die nächste reiht. Das macht Spaß, auch weil man es schnell hinnimmt, dass der falsche Honecker dem echten nicht wie ein Ei dem anderen gleicht. Schwächer sind dann eher die melodramatischen Sequenzen rund um das Töchterlein.

Vorwärts immer! D 2017, 90 Min., R: Franziska Meletzky, D: Jörg Schüttauf, Josefine Preuß, Jacob Matschenz, Devid Striesow. Start: 12.10.

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