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„Waffenstillstand“ im Kino

Im Ranking beliebter Berufsbilder finden sich Journalisten meist weit hinten – gerade noch knapp vor Buchhändlern. Offenbar assoziiert die Öffentlichkeit Journalisten mit windigen Reportern, die für Revolverblätter Prominente belagern. Faszinierender sind da schon Kriegsreporter, die Mut ausstrahlen, mitunter Tollkühnheit. Und davon braucht es einiges für den Trip, auf den sich ein abgebrühter Kameramann (Hannes Jaenicke) und ein hoch motivierter Jung­reporter (Max von Pufendorf) in „Waffenstillstand“ begeben. Die beiden sollen aus Bagdad von der Lage im Irak nach dem offiziellen Kriegsende berichten. Von Frieden kann dort 2004 keine Rede sein: Aufständische und US-Soldaten liefern sich noch immer Kämpfe. Als ein 24-stündiger Waffenstillstand erklärt wird, nutzen ein Arzt und seine Assistentin die Zeit, um einen Medikamententransport für ein Krankenhaus in einer Rebellen-Hochburg zu starten. Die Journalisten wittern ihre Story und schließen sich spontan an.
Die knappe Frist für Hin- und Rückweg, dazu die Unwägbarkeiten auf der gefährlichen Route reichen für eine spannende Mission. Regisseur Lancelot von Naso tut also gut daran, seinen Film konsequent mit Fokus auf die Zweckgemeinschaft zu inszenieren. Dass sich nicht jeder der Mitfahrer in die Karten schauen lässt, erhöht den Stress­pegel zusätzlich; als ihr Bus schließlich attackiert wird und repariert werden muss, gerät der Zeitplan aus den Fugen.
Aus seinem strengen Realis­mus, dem Verzicht auf Action und Heldenmomente, zieht der Film seine Stärke. Diffuse Gefahr geht zudem von den Schauplätzen aus, von unübersichtlichen Straßenzügen, zerbombten Häusern, kargen Tankstellen. Am Setting also liegt es nicht, dass einem die Hauptfiguren sonderbar fern bleiben. Eher schon liegt es an den Dialogen, in denen die Themen des Films viel zu wortreich ausgeführt werden. Am Ende hat man von fast jedem Bus-Insassen etwas gehört zu Fragen nach legitimen Kriegen generell, der US-Invasion im Irak im Besonderen, über den Idealismus von Helfern und die Wächterrolle der Medien. Die im Grunde spannenden Figuren verblassen leider etwas hinter dem guten Willen zur rechtschaffenen Botschaft.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Waffenstillstand“ im Kino in Berlin

Waffenstillstand, Deutschland 2009; Regie: Lancelot von Naso; Darsteller: Matthias Habich (Alain Laroche), Thekla Reuten (Kim), Hannes Jaenicke (Ralf); Farbe, 102 Minuten

Kinostart: 1. April

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