Dokumentarfilm

„Wann wird es endlich wieder Sommer?“ im Kino

Blasmusik und linke Kultur sind kein Widerspruch, im Gegenteil, Blaskapellen zählen schon lange zum Repertoire der internationalen Arbeitermusik

Barnsteiner

In Deutschland kehrte die Blasmusik erst in den 1970er-Jahre als linke Demonstrationsmusik zurück auf die Straße. Die Dresdner Formation Banda Comunale, 2001 als reine „Demokapelle“ gegründet, knüpft an diese Tradition an.
Der Dokumentarfilm steigt 2015 in ihre Bandgeschichte ein. Zunächst sind Banda Comunale als Teil der Anti-Pegida-Bewegung in Dresden auf der Straße, um für einen Soundtrack gegen Rechts zu sorgen, dann folgen erste Auftritte in Flüchtlingsunterkünften und an Brennpunkten in der sächsischen Provinz. Für die Musiker wird dieses Engagement zu einer Zäsur, zu einer in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Neuerfindung als offenes Musiker-Kollektiv, dessen Namensänderung nicht nur symbolisch ist: Aus Banda ­Comunale wird Banda Internationale. Musiker mit Flucht-oder Migrationshintergrund werden in das Projekt integriert. Der syrische Oud-Spieler und der iranische Heavy-Metal-Gitarrist performen jetzt zusammen mit den Bläsern, Drummern und Celli-Spielern eine Weltmusik im ständigen Wandel.

Gerade diesen Prozess der musikalischen Transformation im Film zu erleben, der dem Begriff „Heimatklänge“ eine neue Bedeutung gibt, ist ebenso spannend wie unterhaltsam. „Migrant“ Rudi Carrell hätte jedenfalls große Freude gehabt an der Cover-Version seines titelgebenden Kult-Schlagers, den Bandmitglied Ezé Wendtoin aus Burkina Faso zum Besten gibt.

Wann wird es endlich wieder Sommer? D 2017, 102 Min., R: Barbara Lubich, Michael Sommermeyer, Start: 15.2.

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