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„Warten auf Angelina“ im Kino

Warten auf AngelinaAuf einer Dachterrasse in Berlin-Mitte hat Maik, der Knipser, sein Arbeitsgerät aufgebaut: einen Fotoapparat mit einem riesigen Teleobjektiv. Irgendwo da drüben über den Dächern befindet sich die Wohnung des berühmtesten Paars der Welt: Brangelina, das sind Brad Pitt und Angelina Jolie, sollen in die Stadt kommen, mit ihren Kindern und der ganzen Begleitmannschaft, die zwei reisende Superstars dabeihaben.
Maik braucht dringend ein gutes Bild, denn er ist bei einem seiner letzten Jobs ein wenig zu weit gegangen. Nun hat er eine Klage am Hals, der Prozess kostet Geld. Wenn er Pech hat, muss er in den Knast. Was er gar nicht gebrauchen kann im Moment ist Konkurrenz. Doch da ist noch jemand auf der Terrasse: ein junger Nordfriese namens Momme. Er hat auch einen Fotoapparat dabei, aber sein Objektiv ist deutlich kleiner. Auch er will Angelina Jolie knipsen, allerdings hat er dafür private Motive. Er will seine Ex-Freundin beeindrucken, die ihn für einen Bankkaufmann namens Hauke verlassen hat, der angeblich aussieht wie der Fußballstar Thierry Henry.
Es sind viele kleine Details, die den Film „Warten auf Angelina“ von Hans-Christoph Blumenberg sehenswert machen. Eine an sich dünne Idee wird hier liebevoll auf alle ihre Möglichkeiten untersucht. Die Wohnung, zu der die Dachterrasse gehört, ist eigentlich die eines Zahnarztes, der sie für Treffen mit seinen Geliebten benützt. Sie ist sein „Adlerhorst“, was gut dazu passt, dass Maik (Florian Lukas) sich als Ornithologe, also als Vogelkundler, ausgibt. Immer wieder tauchen Frauen auf, die entweder einen Schlüssel haben oder an der Tür läuten und von den beiden unbekannten Männern eine Erklärung verlangen. So werden Maik und Momme (Kostja Ullmann) allmählich zu Buddys in einem Sinn, wie wir ihn aus amerikanischen Buddy-Komödien kennen.
Nicht zufällig steckt auch viel Liebe zum Kino in „Warten auf Angelina“. Hans-Christoph Blu­men­berg, der selbst das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat, war bis in die 1980er Jahre der wichtigste deutsche Filmkritiker. Er hat dann die Seite gewechselt und arbeitet seither vor allem für das Fernsehen, zwi­schen­durch macht er Liebhaberprojekte wie „Rotwang muss weg“ oder nun eben „Warten auf Angelina“. Es gibt einige bedeutende Filme über das Phänomen der Paparazzi, in Fellinis „La dolce vita“ kommen sie nicht gut weg. Wichtiger aber ist in diesem Fall Louis Malles „Privatleben“, in dem Brigitte Bardot die Hauptrolle spielte. Blumenberg hält mit leichter Geste die Erinnerung an die große Zeit des europäischen Films lebendig, und er stellt zwischendurch ohne falsches Pathos die wichtigen Fragen: „Was ist das eigentlich – cool?“ In Berlin wollen das viele Leute wissen, und nicht zuletzt ist das auch ein schöner Film über diese Stadt, von der Stars wie Brad Pitt und Angelia Jolie glauben, es wäre cool, hier eine Wohnung zu haben.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Sehenswert


Warten auf Angelina, Deutschland 2008; Regie: Hans-Christoph Blumenberg, Darsteller: Florian Lukas (Maik), Kostja Ullmann (Momme); Farbe, 89 Minuten; Kinostart: 8. Januar 2009

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