Drama

„Warten auf Schwalben“ im Kino

Das halb verwaiste Algerien von heute

Les Films Pelleas/ Hichem Merouche

„Umleitung“, so steht es auf dem Schild, das ein älterer Architekt in Karim Moussaouis Film vor sich sieht. Er kommt abends in eine ­Gegend, in die es ihn sonst wohl nicht so schnell verschlagen würde, hat dann auch noch eine Panne – und wird Zeuge eines ­Gewaltverbrechens.
Ganz im Sinne des ­Begriffs „déviation“ sind das aber nicht die Ereignisse, um die es in dem Film „Warten auf Schwalben“ eigentlich geht – Moussaoui kommt es auch erzählerisch auf Umwege an, und so hängen hier drei ­Geschichten lose zusammen, die gemein­same Ebene ist das heutige Algerien, das nicht zuletzt durch viele Autofahrten bis weit in die kargen, prächtigen Landschaften erfahrbar gemacht wird.

Der Architekt lebt mit seiner zweiten Frau in einem großen Haus, sie will aber nach Frankreich zurück. Der Film nimmt eine erste Abzweigung, als er sich einem jungen Mann namens Djalil zuwendet, der für den Architekten als Fahrer arbeitet, nun aber zwei junge Frauen und deren konservativen Vater zu einer Hochzeit auf dem Land bringen soll. Eine weitere Autopanne führt zu Dahman, einem Arzt, der kurz vor der Hochzeit steht, und mit einer Geschichte aus dem Bürgerkrieg (in den 1990er-Jahren, zwischen dem Staat und den Muslimbrüdern) konfrontiert wird: Es geht das Gerücht um, er wäre damals bei einer Gruppenvergewaltigung dabei gewesen.
Der Junge, der danach zur Welt kam, steht in Moussaouis Film für das halb verwaiste Algerien der Gegenwart: ein Land in einem schwer greifbaren Wartezustand.

Warten auf Schwalben F/D/AL/QAT, 113 Min., R: Karim Moussaoui, D: Mohamed Djouhri, Sonia Mekkiou, Start: 23.8.

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