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„Wasser und Blut“ im Kino

Wie ein Außerirdischer fühlt sich Sequan, als er von New York City nach Jefferson County in Alabama ziehen muss. Er ist Waise geworden, nun nimmt eine Tante den 15-Jährigen auf, quartiert ihn im Zimmer ihres Sohnes Michael ein. Der ist darüber nicht erfreut, sieht Sequan doch wie ein geborenes Opfer aus: schmächtig, bebrillt und wahrscheinlich auch noch schwul. Michael hingegen ist ein Muskelpaket mit Dreads, Star der Basketballmannschaft – aber sonst? Ein gewalttätiges Aas, das seine Perspektive im Drogendealen sieht. Keine Frage, in Jefferson schwelen die Probleme – nur reden will keiner in diesem gottesfürchtigen Landstrich. Auch Sequan bliebt stumm, als er von Michael vergewaltigt wird.
Spannend integriert Regisseur John G. Young in seinem dritten Spielfilm die komplexen Konflikte des Erwachsenwerdens in eine facettenreiche Beschreibung einer degenerierten Gemeinde. Denn in Jefferson nistet auch Rassismus, werden Autos und Waffen gestohlen, liegt irgendwann ein ermordeter Junge im Wald. Youngs Tragödie setzt nicht auf schnelle Provokation, sie schockt subtil – dafür umso stärker.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Wasser und Blut“ im Kino in Berlin

WASSER UND BLUT (Rivers Wash Over Me), USA 2009; Regie: John G. Young; Darsteller: Derrick L. Middelton (Sequan Greene), Elizabeth Dennis (Lori Andersen), Aidan Schultz-Meyer (Jake Anderson); 87 Minuten

Kinostart: 16. September

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