Harter Psychohorror

„We are Flesh“ im Kino

Schwarzbild. Leise das lustvolle Stöhnen einer männlichen Stimme, lauter werdend. Das Kopfkino beginnt.

We AreThe Flesh
Foto: Dropout Cinema

Aufblende. Kein Sex, noch nicht, sondern ein schmutziger, abgeranzter Mann, einen fetten Stapel Pappe tragend. Fäulnis und Endzeitstimmung. Er beginnt eklige Dinge mit alten Schrippen zu verkochen, destilliert daraus Schnaps.
So beginnt das wahnwitzige Erstlingswerk des Mexikaners Emiliano Rocha Minter. Ein Geschwisterpaar, Bruder und Schwester, suchen bald darauf bei dem bärtigen Kobold Unterschlupf. Sie wissen nicht wohin, fügen sich schnell seinem Willen. Gemeinsam bauen sie aus Holz, Pappe und viel Klebeband eine Höhle. Die Geschwister werden zu inzestuösem Sex gezwungen. Die Bilder sind explizit. Ein Soldat wird getötet, man lässt ihn über einem Eimer ausbluten, trinkt das Blut. Im Farbenrausch der Bilder wird die Höhle – besser, die Hölle – zur Gebärmutter.
Er habe eine Affäre mit der Einsamkeit, sagt der Kobold. Er ist längst nicht mehr von dieser Welt und behält allein durch sein fieses Grinsen das Geschwisterpaar im Griff. Die Musik: mal ironisch poppige Antithese, mal kongenial begleitend. Der für extravagantes und obskures Kino bekannte Filmverleih Drop-Out Cinema bringt mit Minters Debut einen vor allem durch seine Kameraarbeit beeindruckenden mexikanischen Schocker ins Kino. Ein orgiastischer Psychohorror, der kräftig im Kopf der Zuschauer wütet und mit einem Knaller endet.

Tenemos la carne (OT) MEX/F 2015, 79 Min., R: Emiliano Rocha Minter, D: Noe Hernandez, Maria Evoli, Diego Gamalie, Start: 6.10.

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