Dokumentarfilm

„We Are X“ im Kino

Ein Dokumentarfilm über eine der erfolgreichsten Rockbands Japans: „We Are X“

Foto: Drafthouse Films

Geschichten über Aufstieg, Absturz plus Comeback von Rockbands gibt es zuhauf. Selten aber sind die so voller Tragik und Pathos wie im Fall der japanischen Band „X Japan“, die Stephen Kijak in seinem Dokumentarfilm „We Are X“ würdigt. Gegründet 1982, inspirierten sie durch ihr schrilles Punk-Glam-Image die frühe Visual-Kei-Szene ­Japans, wobei sie sich musikalisch im Verlauf der Jahre vom Speed Metal zu einem symphonischen Progressive Rock hinbewegten. Gründungsmitglied, Mastermind und unumstrittener Zeremonien­meister der Band ist ihr Pianist und Schlagzeuger Yoshiki, was für eine Rockband eine eher ungewöhnliche Konstellation ist. Für Yoshiki, der sich regelmäßig bei Live-Konzerten bis hin zum Kollaps verausgabt, ist das Schlagzeugspiel schlicht eine existentielle Frage um Leben und Tod. Klingt nach Show? Mitnichten: Für den Fall aller Fälle stehen Sauerstoffflaschen nach jedem Konzert für ihn bereit. Schmerzen körperlich und seelisch zu verarbeiten, ist der künstlerische Impetus für die ­Musik von „X Japan“, und in Sachen Schmerz sind sie im Verlauf ihrer Karriere zu Experten geworden. Seien es nun Trennungsschmerzen, die 1997 zur Hysterie bei ihren Fans führte, als sich die Band für zehn Jahre auflöste, weil ihr Sänger Toshi angeblich in die Fänge einer Sekte geriet und einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Oder Abschiedsschmerzen bei den Selbstmorden zweier ehemaliger Bandmitglieder, wobei besonders der Suizid ihres Gitarristen nur wenige Monate nach ihrer Trennung in ganz Japan Schockwellen auslöste. Die Geschichte von „X Japan“ ist ein überlebensgroßes Melodram, für das die Musik und das Kino erfunden wurden.

We Are X GB/USA/J 2016, 95 Min., R: Stephen Kijak, Start: 12.10.

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