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„We Want Sex“ im Kino

We Want Sex

„Wutbürger“ war das Wort des Jahres 2010. Dass einfache Leute sich zum Protest organisieren, erscheint heute offenbar als bemerkenswertes, fast vergessenes Phänomen. Dabei gab es doch einmal so etwas wie die fetten Jahre für den politischen Kampf. Nigel Cole blättert zur Erinnerung daran ein stolzes Kapitel der britischen Linken auf: die erste Streikaktion von Arbeiterinnen 1968 in den Ford-Werken nahe London. In der Rolle der zierlichen Wortführerin, die um die Anpassung der Gehälter an die Löhne der männlichen Kollegen kämpft, erweist sich Sally Hawkins als großartige Besetzung: Sie spielt die erst zögerlich, später entschieden auftretende Näherin und zweifache Mutter Rita mit natürlichem Charisma.
Regisseur Cole zeichnet sein Ensemble sehr liebevoll, was kombiniert mit der Ausstattung in hübschem Retrosixties-Look fast ein wenig zu sehr wie im Bilderbuch wirkt. Näher dran an der Sache sind die kurzen Interviews im Abspann mit einigen der couragierten alten Damen, die damals die Fließbänder zum Stillstand zwangen und eine Gesetzesänderung herbeiführten.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „We Want Sex“ im Kino in Berlin

We Want Sex (Made in Dagenham), Großbritannien 2010; Regie: Nigel Cole; Darsteller: Sally Hawkins (Rita), Andrea Riseborough (Brenda), Jaime Winstone (Sandra); 113 Minuten; FSK 6

Kinostart: 13. Januar

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