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Filmkritik

„Wege des Lebens“ von Sally Potter: Feinsinnig und anrührend

Drama Die US-amerikanische Schauspielerin Elle Fanning ist gerade einmal 22 Jahre alt. Und doch liegt bereits eine 19-jährige Karriere hinter ihr, mit Dutzenden von Filmrollen, in denen sie meist viel reifer wirkte, als es ihrem tatsächlichen Alter entsprach. Das trifft auch auf ihre Rolle in „Wege des Lebens“ von Sally Potter zu: Fanning verkörpert Molly, die Tochter des mexikanischen Schriftstellers Leo (Javier Bardem), der allein in einer Wohnung in New York lebt und mittlerweile unter Demenz leidet.

Es gibt eine gelegentliche Pflegekraft, doch es scheint vor allem Molly zu sein, die die Verantwortung für die Organisation von Leos Alltag über- nommen hat: Der Film folgt ihr und ihrem Vater durch einen Tag, der ausgefüllt ist mit Arztbesuchen und diversen Komplikationen, die sich durch Leos Persönlichkeitsveränderung ergeben.

Wege des Lebens von Sally Potter
„Wege des Lebens“ von Sally Potter. Foto: Universal

Doch „Wege des Lebens“ ist kein Demenz-Film, sondern er nimmt vor allem seinen Titel ernst. Es geht um Lebenswege, die man eingeschlagen hat oder eben auch nicht, jene, die einem durch die Umstände aufgezwungen wurden, und jene, für die man sich man vielleicht hätte entscheiden können. Während Leo in Erinnerungen und Alternativ-Fantasien abdriftet, muss sich Molly darüber klarwerden, wie es mit ihrem eigenen Leben weitergehen soll.

Extrem sorgfältig konstruiert: „Wege des Lebens“ von Sally Potter

Wie alle Filme von Sally Potter ist auch „Wege des Lebens“ („The Roads Not Taken“) extrem sorgfältig konstruiert, man könnte auch sagen: komponiert. Hier steht alles mit allem irgendwie in Verbindung, ständig ergeben sich neue Denkansätze. Javier Bardem und Elle Fanning setzen die Intellektualität des Konzepts in Emotion um. LP

The Roads Not Taken (OT); GB 2020; 85 Min.; R: Sally Potter; D: Elle Fanning, Javier Bardem, Salma Hayek; Kinostart: 13. 8. 2020


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