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Weltpremiere von Roman Polanskis „The Ghost Writer“

Robert Harris

Der verschwörungsfreudige Stoff von „The Ghost“ („Ghost“, Heyne 2007), den Roman Polanski mit Robert Harris für die Leinwand adaptiert hat, erscheint vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen doppelt aktuell: Der Schlüsselroman um einen Ghostwriter, der die Memoiren eines britischen Ex-Premierministers fertigstellen soll, erinnert deutlich an Tony Blair, mit dem Harris freundschaftlichen Umgang pflegte, bis er sich von ihm abwandte. Heute nennt er Blair einen „Kriegsverbrecher“. Ironisch genug, dass sich der Ex-Premierminister im Buch mit einer unangenehmen Iraq War Inquiry in London auseinandersetzen muss, wie aktuell auch sein reales Pendant. Aber man kann natürlich an den Regisseur Polanski selbst denken, der im Augenblick, von den Medien belagert, unter Anklage steht. Ein bizarres Zusammentreffen von Fiktionen und Wirklichkeit.

tip Mister Harris, das Unangenehme zuerst: die Verhaftung von Roman Polanski …
Robert Harris … kein Kommentar.

tip Gut, aber wir können im­merhin über Ihr gemeinsames Filmprojekt sprechen. Mit Roman Polanski haben Sie erstmals zusam­mengearbeitet, als Sie gemeinsam das Drehbuch für die Verfilmung Ihres Romans „Pompeji“ schrieben.
Harris Das Projekt brach aus den verschiedensten Gründen zusammen: einem bevorstehenden Streik in Hollywood und dem Anwachsen des Budgets von 100 auf 150 Millio­nen Dollar. Es wird jetzt eine Miniserie fürs Fernsehen da­raus werden, mit der Polanski und ich aber nichts zu tun haben. Aber die Drehbucharbeit mit Roman Polanski, auch bei „Der Ghostwriter“, hatte eine positive Auswirkung auf die Schreibweise meines jüngs­ten Romans „Imperium“. Ich hatte nie zuvor mit jemandem zusammengearbeitet, und Roman ist einfach ein guter Geschichtenerzähler.

Robert Harristip Sollen wir von „Der Ghostwriter“ einen Film erwarten, der getreu der Romanvorlage folgt, oder können sich die Leser auf einige Überraschungen gefasst machen?
Harris Der Film folgt dem Roman ziemlich getreu – ganz getreu kann er nicht sein, dann wären wir zu sehr dem Vorbild von Billy Wilders „Boulevard der Dämmerung“ gefolgt. Das haben wir sogar versucht und viel mit der Erzählerstimme gearbeitet, aber das funk­tionierte nicht. Immer wenn ich etwas verknappen oder fortlassen wollte, sagte Roman: „Nein, nein – der Roman ist das Drehbuch!“ Alle seine Adaptionen sind sehr werkgetreu.

tip Wie haben Sie zusammen­gearbeitet? Haben Sie alternierend wechselnde Fassungen geschrieben oder zusammen in einem Zimmer gesessen?
Harris Ihm war die erste Drehbuchfassung – ich habe „The Ghost“ zunächst einfach als Drehbuch adaptiert – natürlich viel zu lang für einen Kinofilm. So sind wir anschließend Seite für Seite durchgegangen und haben das dabei immer mehr verknappt und verdichtet. Ich habe die ganze Schreibarbeit gemacht, Roman hat es gelesen und Kommentare abgegeben. Wir setzten uns am Morgen zusammen, danach habe ich mich zurückgezogen, es umgeschrieben, und am Nachmittag haben wir uns das Umgeschriebene vorgenommen. Wir begannen damit in Paris, dann zogen wir in ein leer stehendes Hotel um, um in die richtige Stimmung zu kommen, das war kurz vor Weihnachten 2007, danach ging es weiter in sein Chalet in der Schweiz. Beim Dreh selber war ich nur einen Tag in Berlin zugegen, denn ich musste das Roman­manuskript für „Titan“ fertigstellen. Es bestand aber auch keine Notwendigkeit, am Drehort präsent zu sein, es reichte, dass ich telefonisch oder per E-Mail zu erreichen war, wenn Nachbesserungen notwendig waren. Roman ist auch sehr konzentriert, wenn er einen Film dreht, da lässt man ihn besser alleine.

tip Hat er Ihre Meinung eingeholt, was die Besetzung anbelangte?
Harris Ja, er hat mich immer gefragt. In der Tat war es meine Frau, die Ewan McGregor zuerst vorgeschlagen hat.

tip Pierce Brosnan in der Rolle des britischen Ex-Premiers wird einige Zuschauer sicherlich an Tony Blair erinnern …
Harris Ich bin sicher, das hätte Blair gerne.

Foto oben: Random House

Foto unten: Peter von Felbert

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