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„Wen die Geister lieben“ mit Ricky Gervais im Kino

Wen die Geister liebenIm Englischen wird es cringe comedy genannt, wenn Humor durch unbehagliche Situationen und mitunter dürftig ka­schier­te Peinlichkeiten entsteht, während sich schon beim Zu­schau­en alle Innereien zusam­men­­­ziehen. Abgesehen von „Sein­feld“-Schöpfer Larry David in der Serie „Curb Your Enthusiasm“ ist derzeit vor allem Ricky Gervais Meister in dieser Disziplin. Der in Deutschland ziemlich unbekannte Brite war nicht nur Koautor, sondern auch Hauptdarsteller der weltweit kopierten Satire „The Office“ (nicht halb so guter Deutschland-Klon: „Stromberg“) und der Star-gespickten Komparsen­ko­mö­die „Extras“, was ihm einen Schrank voll Baftas, Golden Globes und Comedy Awards eingebracht und den Weg für eine US-Karriere geebnet hat. Nach einigen passablen Nebenrollen hat er dort in „Wen die Geister lieben“ von Blockbuster-Drehbuch-Spezi David Koepp (zuletzt für „Indy 4“) nun auch seine erste Hauptrolle.
Auf den Spuren eines „Besser geht’s nicht“-Nicholson gibt er darin den Zahnarzt Bertram Pincus, der nur mit Verachtung und Flucht auf seine New Yorker Umwelt reagiert. Ein dicklicher Mi­san­throp, der niemanden mag und den niemand mag. Das wird sich jedoch ändern, nachdem er bei einer Darmspiegelung sieben Minuten lang klinisch tot war. Da kann er nämlich auf einmal die Geister der Toten sehen, die mit der Welt der Lebenden nicht abgeschlossen und noch offene Rechnungen haben. Zu ihnen gehört auch der penetrante Frank (Greg Kinnear), für den Pincus die anstehende Hochzeit seiner Witwe Gwen (Tйa Leoni) verhindern soll, während beim Zahnarzt selbst plötzlich lang verschüttete Gefühle wiederbelebt werden.
Dass diese altmodische und überraschungsfreie Fantasy-Ro­man­ze ihren ganz eigenen Charme entwickelt, ist überwiegend der federleichten Inszenierung und den drei Hauptdarstellern zu verdanken. Vor allem Ricky Gervais erdet durch sein Schauspieltalent auch die sentimentalen Momente mit anrührendem Ergebnis. Von der punktgenauen Cringe-Komik seiner Comedy-Großtaten mag diese Menschwerdung mit Hilfe der Toten zwar weit entfernt sein. Doch selbst ein zum Finale rundum weichgespülter Gervais ist immer noch ein ziemlich guter Gervais.

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Annehmbar

Wen die Geister lieben (Ghost Town), USA 2008; Regie: David Koepp; Darsteller: Ricky Gervais (Bertram Pincus), Tйa Leoni (Gwen), Greg Kinnear (Frank Herlihy); Farbe, 102 Minuten

Kinostart: 29. Januar 2009

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