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„Wenn Ärzte töten – Über Wahn und Ethik in der Medizin“ im Kino

Wie wird man zum ausführenden Organ eines staatlich verordneten Massenmords? Wie passen Rassenhygiene und Euthanasie zur ärztlichen Ethik?
Der US-amerikanische Psychia­ter Robert Jay Lifton hat sich lange mit den Deformationen der Psy­che unter Einfluss von Kriegen und Terror beschäftigt. 1986 erschien seine bekannteste Studie „The Nazi Doctors“ (dt. Titel: „Ärzte im Dritten Reich“), basierend auf Interviews mit KZ-Opfern und KZ-Ärzten. Darüber spricht er in „Wenn Ärzte töten – Über Wahn und Ethik in der Medizin“ mit den Regisseuren Hannes Karnick und Wolfgang Richter vor der Kamera. Eine Annäherung an die Wahrheit sei dieser Film – ohne Bilder aus den KZs oder vom Nürnberger Ärz­teprozess. Man sieht keine Opfer, keine Täter – nur den 1926 geborenen Lifton hinter seinem Schreibtisch und ab und zu das Meer vor seiner Haustür.
Ein kompromissloser, angesichts der erschreckenden Kausalitäten fast schon hilfloser Film, der viel Wissen voraussetzt: zur Verflechtung zwischen deutschen Ärzten und NS-Staat, zur Rassen­ideologie und der scheinbaren psy­chischen Gespaltenheit der Ärzte, die Lifton „Doppelung“ nennt. Zum besseren Verständnis sei jedoch sein Buch empfohlen.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Wenn Ärzte töten – Über Wahn und Ethik in der Medizin“ im Kino in Berlin

Wenn Ärzte töten – Über Wahn und Ethik in der Medizin, Deutschland 2009; Regie: Hannes Karnick, Wolfgang Richter; Farbe, 90 Minuten

Kinostart: 3. Dezember

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