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"Wer hat Angst vor Sibylle Berg?" im Kino

"Wer hat Angst vor Sibylle Berg?" im Kino

Mit Ironie und Scharfsinn bringt ­Sibylle Berg Illusionen zum Platzen. Ihre ­Romane und Theaterstücke handeln von glücklosen Zeitgenossen, aufgeblasenen Wichten und traurigen Frauen. Die Sinnlosigkeit des Lebens breit aufgefächert in Geschichten von Tod, Liebe, unzulänglichen Körpern und erbärmlichem Sex.
Doch je größer ihr Ruhm, desto seltener gibt Sibylle Berg Interviews. Man braucht spezielle Köder: etwa die Besichtigung der Goldstein-Residenz, einem Traumpalast in Los Angeles, entworfen von John ­Lautner – Bergs Architekturgott schlechthin. Die Filme­macherinnen Wiltrud Baier und Sigrun ­Köhler machten es möglich.
Mit der Villa-Besichtigung beginnt ihre Doku "Wer hat Angst vor Sibylle Berg?", und die Frage nach der richtigen Behausung für so ein quecksilbriges Wesen wie der Berg ­mäandert wie ein rotes Fädchen hindurch. Die Autorin gibt sich aufgeschlossen sibyllinisch, ist überwiegend bequemdunkel gewandet und spricht mit erstaunlich alter Stimme. Was hat sie zu sagen? Dass Edgar Allen Poe sie inspirierte, dass sie Clown werden wollte und nach 50 Absagen endlich einen Verlag fand für ihr Romandebüt "Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot". Und nun: Bestsellerautorin. Am Rande erwähnt: ihre Ehe. Versteckt irgendwo: dass sie ihre Texte sofort ad acta legen kann, sobald sie erschienen sind. Ja, und Sex interessiert sie nicht mehr.
Berg führt ihre "Dokuschlampen", wie sie Baier und Köhler spaßig nennt, zu ehemaligen Wohnorten im Tessin, Lesungen, Theater­proben und lockeren Treffs mit Katja Riemann und Helene Hegemann. Und die Filmemacherinnen ­dackeln hinterher. Leider nutzt Sibylle Berg die ­Chance nicht zu weniger Eitelkeit und mehr ­Essenz. Man wohnt der unterhalt­samen Farce bei, sich einer scheuen Autorin zu nähern. Und wird letztlich enttäuscht. ?   

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Zorro

Orte und Zeiten: Wer hat Angst vor Sibylle Berg?

Wer hat Angst vor Sibylle Berg? D 2015, 84 Min., R: Wiltrud Baier, Sigrun Köhler

?Kinostart: Do, 28. April 2016

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