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„Wer ist Hanna?“ im Kino

Wer_ist_HannaVon Hannas fragilem Äußeren sollte man sich nicht täuschen lassen. Das Teenagermädchen ist eine wendige Kampf- und Killermaschine im zierlichen Körper einer Heranwachsenden, die zum eigenen Überleben selbst ganze Kerle im Handumdrehen erledigen kann. Es ist ein überaus reizvoller Widerspruch, den die gerade 17-jährige Saoirse Ronan, die für ihre Rolle in Joe Wrights Bestseller-Adaption „Abbitte“ bereits 2008 für einen Oscar nominiert war, in „Wer ist Hanna?“ mit Nachdruck ausfüllt.

Anfangs lebt Hanna noch weitab von jeder Zivilisation, irgendwo in den verlassenen Weiten der Wälder Finnlands. Dort wurde sie ohne jeden Kontakt zu anderen Menschen von ihrem Vater, einem ehemaligen CIA-Agenten (Eric Bana), perfekt ausgebildet. Eines Tages aber ist es für sie Zeit, ihre märchenhafte Blockhütte im verschneiten Nirgendwo zu verlassen, um eine Mission zu erfüllen: Als ihre Widersacherin tritt nun Cate Blanchett als fratzenhaft strenge CIA-Agentin und Mensch-Maschinen-Karikatur auf den Plan, die gemeinsam mit ihren Handlangern – einem exzentrischen Vaudeville-Gangster vom Hamburger Kiez und einigen Skinheads – Hanna durch halb Europa hetzt. Letztlich führt die Jagd bis nach Berlin zum Showdown im stillgelegten Plänterwald-Freizeitpark.

Dabei schickt Wright seine Hanna durch eine ultra-beschleunigte Coming-of-Age-Story, bei der das Mädchen im Zeitraffer nachholt, was andere Mädchen ihres Alters in mehreren Jahren erleben. Ansonsten wird der Plot vor allem durch die ausgiebigen Verfolgungsjagden angetrieben, die Wright visuell ausgefeilt und stellenweise furios inszeniert: Während der Regisseur auf waghalsige Weise unterschiedlichste Genres miteinander verschränkt, nimmt er sich wiederholt Zeit für eigenwillige Abschweifungen und gibt seinem künstlerischen Action-Drama-Roadmovie-Spionage-Thriller eine seltsam märchenhafte Atmosphäre. Zudem erlaubt er sich einen recht grotesken Humor und zeichnet zwischen Kotticharme und Plattenbau ein für eine Hollywoodproduktion ziemlich abgefucktes Berlin-Bild. Dass „Wer ist Hanna?“ dabei eher durch Oberflächenreize als durch Substanz stimuliert, wird so zweitrangig angesichts der irritierenden Genre-Extravaganz, zu der sich Hannas Weg aus der Isolation ins Leben verdichtet.

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Wer ist Hanna?“ im Kino in Berlin

Wer ist Hanna? USA/Deutschland/Großbritannien 2011; Regie: Joe Wright; Darsteller: Saoirse Ronan (Hanna), Eric Bana (Erik Heller), Cate Blanchett (Marissa Wiegler); 111 Minuten; FSK 16

Kinostart: 26. Mai

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