Geschichtsdrama

„Werk ohne Autor“ im Kino

Möchtegernepos – Der neue Henckel-von-Donnersmarck-Film enttäuscht auf ganzer Linie

BUENA VISTA INTERNATIONAL/ Pergamon Film/ Wiedemann Berg

Ein deutsches Leben zwischen Dresden und Düsseldorf, zwischen NS-Deutschland, der DDR und der Bundesrepublik: Florian Henckel von Donnersmarck geht es in seinem neuen Film „Werk ohne Autor“ um eine Großerzählung, die ihm nicht nur Gelegenheit gibt, einen weiten erzählerischen Bogen zu schlagen, sondern auch sein Kunstverständnis darzulegen.

1937 wird der kleine Kurt Barnert in Dresden durch die Schau „Entartete Kunst“ geführt. Damit bekommt er schon einmal die Moderne vorgeführt, von der ihn die politischen Verhältnisse dann lange fernhalten. Denn Kurt erlebt die Kindheit unter dem Nazi-Regime, er verliert seine geliebte Tante, die zu einem Opfer der „Euthanasie“-Programme wird (während über einen digitalen Bluthimmel die Bomber nach Dresden fliegen). In der DDR wendet er sich einer Künstlerlaufbahn zu, seine Freiheit (und seine Bestimmung) findet er aber erst in Düsseldorf, wo er an der Kunsthochschule auf Joseph Beuys trifft.

Man geht wohl nicht fehl, wenn man in „Werk ohne Autor“ eine Selbstbespiegelung des Filmemachers Florian Henckel von Donnersmarck sieht: Der Maler Kurt Barnert (hinter dem die ­reale Figur des Malerstars Gerhard Richters überdeutlich ist) dient ihm als Exempel für eine Genieästhetik, die im Film allerdings kräftig durch die Musik von Max Richter angeschoben werden muss. Denn Donnersmarck reiht einfach ohne jeden Sinn für innere Entwicklung und szenische Auflösung (Filmkunst!) Begebenheiten aneinander, die über banale Illustrationshistorie nie hinauskommen: Zu dem Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Geschichte, Kunst und Wahrheit findet Donnersmarck mit seinem plakativen Möchtegernepos von keiner der beiden Seiten einen Zugang.

Werk ohne Autor D 2018, 188 Min., R: Florian Henckel von Donnersmarck, D: Tom Schilling, Sebastian Koch, Paula Beer, Saskia Rosendahl, Oliver Masucci, Start: 4.10.

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