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Werkschau Agnieska Holland im Zeughauskino

Agnieszka Holland

Die Menschen in Polen haben in den 1980er Jahren wichtige Vorarbeiten für die Revolutionen von 1989 geleistet. Dabei kann man aus vielen Zeugnissen nicht zuletzt des Kinos entnehmen, wie schwer die Verhältnisse des real existierenden Sozialismus damals auf dem Land lasteten. Die Regisseurin Agnieszka Holland deutete 1979 mit „Provinzschauspieler“ aber auch schon an, dass gegen die subtile Kraft der Komödie kein repressives Mittel hilft: Ein Machtkampf zwischen einem Regisseur und einem Schauspieler an einer Bühne im Hinterland wird zur Allegorie auf Anpassung und Widerstand, eitle Ambition und öden Pragmatismus.
Das Zeughauskino eröffnet seine Werkschau zu Agnieszka Holland (in Anwesenheit der Künstlerin) nicht von ungefähr mit „Provinzschauspieler“, mit dem eine bemerkenswerte Karriere begann.
Holland ist heute vor allem durch „Hitlerjunge Salomon“ bekannt, mit dem sie viel von dem vorwegnahm, was das deutsche Kino später als komische Aufarbeitung der NS-Zeit für notwendig hielt, wobei vielfach das Hochnotpeinliche unterschlagen wurde, das in dieser Geschichte eines Beschnittenen unter Nazis die vorherrschende Emotion ist. Es war ein Stoff und eine Bearbeitung, in der vieles zusammenkam, was man heute zu einer zweiten oder dritten Phase der Vergangenheitsbewältigung zählen könnte.
Holland nutzte den Erfolg des umstrittenen Films für eine internationale Karriere, die nicht zuletzt Literaturverfilmungen hervorbrachte („The Secret Garden“, „Washington Square“). Die Schau im Zeughauskino ermöglicht nun die Zusammenschau eines Werks, das auf den ersten Blick ein wenig willkürlich erscheinen mag, das zuletzt aber durch einen Film über Jan Palach, den Helden des Prager Frühlings, wieder Anschlüsse an ganz frühe Motive erkennen ließ.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Filmoteka Narodowa / Agnieszka Holland

Agnieska Holland – ?Eine Werkschau, Zeughauskino, Do 23.4. bis So 3.5.

www.dhm.de/zeughauskino

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