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Werkschau Sandrine Bonnaire im Arsenal

Sandrine Bonnaire in

„Um aufrecht gehen zu können, braucht ein Mensch das Gefühl der Sicherheit“, sagt einmal eine Pflegerin in dem traurig anklagenden Dokumentarfilm, den Sandrine Bonnaire über ihre autistische Schwester Sabine drehte. Der aufrechte Gang ist eine Konstante ihrer Schauspielkarriere; gleichermaßen als gestische – sie bewegt sich mit gebieterischer Leichtfüßigkeit – wie als ideologische Kategorie. Es waren Außenseiterinnen, Rebellinnen, mit denen sie sich anfangs ihren Platz in der Kartografie des Autorenfilms erstritt, in den zornigen Filmen ihres Entdeckers Maurice Pialat und in Agnиs Vardas „Vogelfrei“. Noch in Claude Sautets „Einige Tage mit mir“ ist sie längst nicht domestiziert. Sie war nie eine jener Kindfrauen, die französischen Regisseuren sonst so teuer sind. Ihr Gesicht fügt sich nicht zu einem sanften, verträumten Oval, sondern besitzt Kanten, eine hohe Stirn und eine kraftvolle Kinnpartie. Es ist keine Projektionsfläche: Sandrine Bonnaire bringt ihre eigenen Leidenschaften und Widersprüche in die Rollen ein.

Text: Gerhard Midding

Werkschau Sandrine Bonnaire, Arsenal, Sa 7.1. bis Do 9.2.

Eröffnung am 7.1. um 20.00 Uhr mit „A Nos Amours“ von Maurice Pialat, davor gibt es um 19.15 Uhr eine Signierstunde mit Sandrine Bonnaire im Roten Foyer zu ihrem neuen Buch „Le soleil me trace la route“

www.arsenal-berlin.de

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