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Werner Herzog-Werkschau im Zeughauskino

Bad Lieutenant

Von Kinoliebhabern in aller Welt und vielen seiner Kollegen wird Werner Herzog heute mit Bewunderung und Ehrfurcht betrachtet. In Deutschland dagegen, wo Wim Wenders noch immer als Meisterregisseur seiner Generation gilt, ist er inzwischen abseits cinephiler Zirkel halb vergessen. Vorletztes Jahr liefen seine zwei jüngsten Spielfilme, grandios beide, nebeneinander im Wettbewerb von Venedig. Hierzulande kam und ging das exzentrische Nicht-Remake „Bad Lieutenant“ beinahe spurlos: Nicholas Cage versinkt in New Orleans im Schlamm von Katrina und extra totzuschießende Seelen tanzen dazu. Die hinreißende Ödipus-Variante „My Son, My Son, What Have Ye Done“ mit exotischem Schwertmord, Pinguinen und Willem Dafoe hatte dann vollends nur noch einen symbolischen Berliner Kinostart.
In die Schublade „Neuer Deutscher Film“, in die man ihn früh steckte, hat er sowieso niemals gehört. Revoltierende Zwerge, sein liebster Feind Klaus Kinski im Amazonas und als Nosferatu und Woyzeck, das realiter über den Berg gezogene „Fitzcarraldo“-Schiff, Bruno S. kämpft als Kaspar Hauser für sich und Gott gegen alle, in den Sechzigern Werner Herzogs Fußmarsch nach Paris zu Lotte Eisner: alles längst Legende, alles komplett einzigartiger Herzog’scher Eigen- und Irrsinn. Sein Grundprinzip: Es gibt Aufregenderes als die Fakten. „Ekstatische Wahrheit“ ist das Stichwort, das der Regisseur selbst gibt. Er ist ein Mystifikator, ein Schelm – und ein Schmarrkopf und Größenwahnsinniger ist er auch.
Aber keiner schaut wie er auf die Welt, immer auf der Suche nach ihren Extremen und Rändern. Einzigartig und unvertraut schaut die Welt zum Lohn aus seinen Filmen zurück. Die Herzogs Werk gewidmete Reihe im Zeughaus versucht sich in kluger Auswahl an der Gesamtschau und rückt tatsächlich alle Facetten des Regisseurs in den Blick. Die aktuellen Spielfilme sind ebenso wie viele der Klassiker zu sehen, eher Unbekanntes ist daneben zu entdecken. Der Filmkritiker Hans Günther Pflaum stellt sein brandneues Buch „Lektionen in Herzog“ vor und eine Lektion wird die Filmreihe sicher erteilen: Die Geringschätzung des Regisseurs Werner Herzog im eigenen Land ist kein Zustand.

Text: Ekkehard Knörer

Foto: Splendid Fox

Werner Herzog – Eine Werkschau, Zeughauskino; Fr 24.6. bis So 31.7.

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