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„West is West“ im Kino

West is West

1999 war der Film „East is East“ nicht nur in Großbritannien ein Kinoerfolg: Die Geschichte der pakistanisch-englischen Großfamilie Khan bot alle Möglichkeiten für den Clash der Kulturen, für das Gegeneinander von Tradition und Veränderung. In „West is West“ wird die Geschichte jetzt fortgesetzt, seit den ursprünglichen Ereignissen sind fünf Jahre vergangen, statt 1971 schreibt man das Jahr 1976, und im nordenglischen Salford droht der mittlerweile kleiner gewordenen Familie des Patriarchen George Khan neues Ungemach in Gestalt seines jüngsten Sohnes: Sajid hat nicht nur keinen Respekt vor seinem Vater, was sich in rotziger Sprechweise bis hin zu direkten Beschimpfungen äußert, sondern er wird auch noch bei einem Ladendiebstahl erwischt. Da hilft nur eines: ­George fliegt mit dem ungeratenen Sohn in seine alte Heimat, auf dass dieser lerne, was traditionelle Werte sind.
Natürlich steht Sajid dem erst einmal ablehnend gegenüber, beklagt die Primitivität der Lebensumstände und weigert sich, die landesübliche Kleidung zu tragen. Aber das ist alles nur eine Frage der Zeit, ein weiser alter Mann kann ihn auf den rechten Weg führen, und schließlich zeigt Sajid auch noch Talent, wenn es darum geht, seinen Bruder Maneer zu verkuppeln, den er zunächst, wegen dessen Vorliebe für Nana ­Mouskouri, als „Schwuchtel“ tituliert hatte.
Plakat und Werbung des Films versprechen eine fröhliche Culture-Clash-Komödie, aber „West is West“ ist nicht so unbeschwert, wahrt vielmehr die Balance zwischen Drama und Komik, was auch damit zu tun hat, dass die eigentliche Hauptfigur der Geschichte nicht Sajid, sondern dessen Vater ist. Während sich Sajid schneller als erwartet mit der fremden Kultur anfreundet, bringt die Rückkehr für George lange Verdrängtes an die Oberfläche. Immerhin hat er in Pakistan eine Familie zurückgelassen, als er nach England ging. Die Kinder musste seine Ehefrau Nummer eins alleine großziehen, die nun mit Recht verlangt zu wissen, warum er nach 30 Jahren zurückgekehrt ist. Darauf weiß George keine Antwort. Als aus dem vierwöchigen Aufenthalt drei Monate geworden sind, taucht auch noch Ehefrau Nummer zwei auf, die sich über das leer geräumte Bankkonto beschwert. Die Auseinandersetzung spitzt sich zu, gerade in diesen Szenen besitzt der Film seine eindringlichsten Momente.

Text: Frank Arnold

Foto: Kool Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „West is West“ im Kino in Berlin

West is West, Großbritannien 2010; Regie: Andy De Emmony; Darsteller: Om Puri (George „Dschingis“ Khan), Linda Bassett (Ella Khan, Mrs. Khan Nummer zwei), Aqib Khan (Sajid); 103 Minuten; FSK 6

Kinostart: 14. Juni

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