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„Westerland“ von Tim Staffel

Westerland_04_c_SalzgeberCem, ein junger Mann, der auf Sylt beim Ordnungsamt arbeitet, hat eigentlich große Pläne. Das Abi nachholen, dann Landschaftsarchitekt werden, so in etwa schwebt ihm das vor. Für den Moment aber zählen andere Dinge. Denn da stand eines Morgens nach einer Party dieser junge Mann namens Jesъs vor der Tür – schmal, blond, verletzlich. Cem und Jesъs schließen Freundschaft, sie bleiben zusammen und beginnen, sich ein wenig von der Welt abzukapseln. Die Wohnung vermüllt, Jesъs kifft zu viel, Cem versucht, die Dinge auf die Reihe zu kriegen, doch das ist gar nicht so leicht.

Auf Grundlage seines eigenen Romans „Jesъs und Mohammed“ erzählt Tim Staffel in „Westerland“ von einer zerstörerischen schwulen Liebesgeschichte, die doppelt eingebettet ist: in ein interessantes, deutsch-türkisches soziales Gefüge aus Kollegen und Freunden, zwischen denen ein manchmal ruppiger, zumeist aber sensibler Ton herrscht; und in die besondere Welt der Insel Sylt, die hier nicht von ihrer touristischen Seite zu sehen ist, sondern sich als wilde, elementare Umgebung erweist, die man hier durchaus als Seelenlandschaft nehmen kann. Der unstete Jesъs sorgt für einige Momente, in denen Staffel dem Pathos ein wenig Raum gibt; ansonsten aber ist „Westerland“ ein eher zurückhaltend erzählter Film, der sich von seinem introvertierten Protagonisten das Maß vorgeben lässt und vorsichtig an die Verletzungen rührt, die dem Begehren im Weg stehen.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Salzgeber

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Westerland“ im Kino in Berlin

Westerland Deutschland 2012; Regie: Tim Staffel; Darsteller: Wolfram Schorlemmer (Jesъs), Burak Yigit (Cem), Jule Böwe (Tanja); 90 Minuten; FSK k. A.; Kinostart: 21. Februar

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