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„What A Man“ im Kino

What_a_manSeitdem Geschlechterrollen nicht mehr so einzementiert sind wie noch vor einigen Jahrzehnten, befinden sich viele Männer hilflos auf der Suche nach ihrem Selbstverständnis. Was macht einen Mann zum Mann? Welchen Ansprüchen an Männlichkeit muss ein Mann heutzutage gerecht werden? Die Verhedderungen und Irritationen, die sich aus solchen Fragen ergeben, bieten einen offenbar unerschöpflichen Fundus für Comedy und Kinofiktionen, aus dem sich nun auch Matthias Schweighöfer für sein Regiedebüt „What a Man“ bedient.

Er selbst spielt auch die Hauptrolle des Realschullehrers Alex, der von seiner Freundin für einen Alphamännchen-Fotografen aus der Nachbarschaft (Thomas Kretschmann) verlassen wird. Daraufhin sucht er bei seiner Freundin Nele Unterschlupf, nimmt sich vor, auch ein ganzer Kerl zu werden und begibt sich mit der Hilfe seines besten Freundes Okke auf eine Selbstfindungsodyssee. Die führt Alex in einem durchsichtigen Handlungsverlauf unter anderem zu Disco-Aufrissversuchen im Rap­peroutfit, einem kerligen Holzhackerseminar und – über einige Komplikationen – letztlich auch zu der Frau, die ihn genau so nehmen will, wie er ist.

Zwischen Sibel Kekilli als Alex‘ beste Freundin und Mavie Hörbiger im undankbaren Part als Zicken-Ex gibt Schweighöfer den Lehrer auf bewährte Weise als süßen Schnuffi und ist von Anfang an der auf liebenswert getrimmte Sympathieträger mit Goldlöckchen. In seiner ersten Vorstellung als Regisseur und Ko-Drehbuchautor hingegen wird er zweiohrkükig und keinohrhasig zum Ersatz-Schweiger. Während er zu geschmeidigen Popsongs ein Frankfurt zeigt, das voller Musterwohnungen eines schwedischen Möbelhauses zu sein scheint, betreibt er seine komödiantische Auseinandersetzung mit den ins Wanken geratenen Männlichkeitsbildern statt mit smarter Satire lieber auf dem kleinsten gemeinsamen Humornenner: mit vielen Klischees, netten Harmlosgags und einem Dildo-Späßchen zwischendurch. Damit landet Schweighöfer nicht nur dort, wo es brav ist, recht banal und rundumgefällig, sondern mit manchem Einfall auch genau dort, wo man die deutsche Beziehungskomödie eigentlich schon vor 15 Jahren nicht mehr wirklich sehen wollte.

Text: Sascha Rettig

Foto: Twentieth Century Fox

tip-Bewertung: Uninteressant

Orte und Zeiten: „What A Man“ im Kino in Berlin

What A Man Deutschland 2011; Regie: Matthias Schweighöfer; Darsteller: Matthias Schweighöfer (Alex), Sibel Kekilli (Nele), Elyas M’Barek (Okke); 95 Minuten; FSK 12

Kinostart: 25. August

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