Dokumentarfilm

„Where to, Miss?“ im Kino

Einfach nur sie selbst: „Where to, Miss?“ porträtiert eine junge Frau aus Indien

Foto: W-Filmverleih

Devki will Taxi fahren. Davon hält ihr Vater ­allerdings gar nichts, denn das ist in Indien ein Männer-Beruf. Erst recht in Delhi, einer Stadt, in der selbst die emanzipiertesten Frauen nachts nicht allein auf die Straße ­gehen. Doch Devki widersetzt sich dem Druck ihrer Familie und macht ihren Traum wahr. Durch die Initia­tive „Women on Wheels“, die Frauen als Taxifahrerinnen ausbildet, erlernt sie ihren Traumberuf. Ihr Wunsch ist es ­zudem, die Stadt für Frauen sicherer zu ­machen. Angst hat sie keine, sie will ein Vorbild für ihre kleinen Schwestern sein.
Doch es kommt für die junge Frau ganz ­anders als gedacht. Sie lernt Badri kennen, der für ihren Vater nicht infrage kommt. Devki bricht mit ihrer Familie, heiratet Badri und zieht mit ihm aufs Land zu seinen Eltern. Sie bekommt einen Sohn und wohnt weit weg von Delhi und ihrem Taxifahrerinnen-Job.
Der Dokumentarfilm von Manuela Bastian zeigt die Wirklichkeit einer unerschrockenen Frau in einem Land, dem die Gleichberechtigung weitgehend fremd ist, und begleitet sie durch die drei Phasen als Tochter, Ehefrau und Mutter. Die Protagonistin sagt: „Dabei möchte ich eigentlich nur Devki sein.“ Vollkommen zu Recht hat die junge Regisseurin, geboren in München und durch einige Aufenthalte mit Indien vertraut, für ihren ersten ­langen Kinofilm bereits drei Preise abgeräumt. Darunter den „Deutschen Menschenrechts-Filmpreis 2016“ in der Kategorie „Hoch­schule“.
Ein gelungener Ausschnitt indischer Realität, begleitet von melancholischen Songs der Band Milky Chance.

Text: Marinka Schulz

Where to, Miss? D 2015, 83 Min., R: Manuela Bastian, Start: 19.1.

Bewertungspunkte2

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