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„Whores\ Glory“ im Kino

Whores' Glory

Zwei Crack rauchende mexikanische Huren entspannen sich auf einem Bett. Ihr von den Drogen schwerer Zungenschlag behindert das intime Zusammensein merklich, die forcierte gute Laune betont nur noch die Traurigkeit ihrer Situation, ihrer Chancenlosigkeit in einer Stadt, in der sie nichts als Billiglohnkörper sind. So endet Michael Glawoggers dokumentarisches Triptychon „Whores’ Glory“, eine Bestandsaufnahme jener sehr verschiedenen Formen der Prostitution in Thailand, Bangladesh und Mexiko; sein Film bietet Innenansichten vom ruinösen Frauenleben in den Glasschaukästen Bangkoks und den Bordell-Slums in Faridpur und Reynosa.
Das Interesse an Glawoggers drittem Weltreisefilm nach „Megacities“ (1998) und „Workingman’s Death“ (2005) ist seit seiner Uraufführung bei den Filmfestspielen in Venedig enorm: Auch deshalb, weil sein Hohelied an die Prostitution mancherorts auf vehementes Unverständnis stößt.
Whores' GloryDer österreichische Filmemacher Michael Glawogger ist ein ­Enthusiast. Er liebt, was er filmt, und er feiert, was er zeigt. An die Moralvorstellungen des Kleinbürgertums fühlt er sich nicht gebunden, Prostitution hält er keineswegs für grundsätzlich böse. „Der Moralist war immer der Feind der Kunst. Es hat keinen Sinn, zu sagen: Krieg ist böse. Krieg ist. Das gilt auch für die Prostitution. Das eigentlich Spannende ist doch vielmehr, sich zu fragen, welche schillernden und grauenhaften Dimensionen die Sexarbeit annehmen kann?“ Tatsächlich ist der bewundernde Blick des Filmemachers auf seine Protagonistinnen zunächst auch eine Irritation, eine Zumutung, die Glawogger aber produktiv macht, indem er den Glamour, den er für sein Sujet beansprucht, bald um die Melancholie und die Tristesse erweitert. Mit dem Begriff feel-bad cinema, den US-Journalisten für Österreichs Kino erfunden haben, kann Glawogger nichts anfangen: „Ich bin ausgezogen, Filme über die Schönheit des Menschen zu machen. Wie er sich dabei fühlt, muss ich dem Betrachter überlassen. Ich kann mich dabei nicht schlecht fühlen.“ In „Whores’ Glory“ seien „schöne Menschen“ zu sehen – „und durchaus nicht nur äußerlich: Es sind Frauen, die mit Herz von etwas berichten, vor dem sich viele fürchten. Deshalb ist es für mich ein Horror, wenn mir Leute sagen, meine Filme seien deprimierend, oder sie zeigten ihnen nur Grauen. Ich kann das nicht verstehen. Mich packt das Grauen eher, wenn ich ein Einfamilienhaus in der Vorstadt sehe.“

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