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Neu im Kino: Wickie und die starken Männer

Auf die Frage, wann denn ein Junge überhaupt ein richtiger Junge ist, gibt die ZeichentrickserieWi­ck­ie und die starken Männer“ schon seit 35 Jahren Antworten jen­seits klassischer Männlichkeitsbehauptungen. In 78 Teilen zeigt das zarte Wikingerkerlchen mit den roten Haaren nicht nur, dass man mit dem richtigen Riecher für clevere Ideen weiterkommt als mit roher Wikingermuskelkraft, sondern fei­ert damit auch die Überlegenheit von Kindern gegenüber den Erwachsenen. Bis heute rotiert die deutsch-österreichisch-japanische Serie mit großem Erfolg im TV und wird von Kindern ebenso geguckt wie von Erwachsenen, die sich mit glänzenden Augen für ein paar Minuten ihre Kindheit zurückholen.
Zu Letzteren gehört sicherlich auch Michael „Bully“ Herbig, der aus der Zeichentrickserie nun mit großem Aufwand einen Realfilm gemacht hat, in dem er Wickie (Jonas Hämmerle) und die Wikinger losschickt, um die Kinder des Dörfchens Flake aus den Händen des Schrecklichen Sven zu befreien.
Waren Herbigs Filme bislang eher grobe, parodistische Sketchparaden, lässt er nun nicht mehr ungehemmt Drauflosalbern. Auch wenn er sich seine typischen Klamaukeinfälle und popkulturellen Referenzmätzchen nicht hundertprozentig verkneifen kann, will er diesmal doch möglichst nah an der heiß geliebten Vorlage bleiben. Dafür hat Herbig nicht nur viele Szenen, Details und Motive aus der Serie in die neu erfundene Handlung übernommen, sondern setzt auch bei der Besetzung auf hohe Ähnlichkeit zu Halvar, Faxe, Snorre und Co.
Mit Ausnahme von Günther Kaufmann, der hier eine be­eindruckende Eins-zu-eins-Fleischwerdung des Schrecklichen Sven vollzogen hat, handelt es sich bei den Darstellern hauptsächlich um unbekannte Gesichter (hinreißend: Mercedes Jadea Diaz als Wickies kleine Freundin Ylvi), die überwiegend in einer TV-Show gecastet wurden. Diesen filmunerfahrenen Typen gelingt es jedoch, der Meute einen liebenswert raubeinigen Charme zu verleihen, während den bekannten Komikern Chris­toph Maria Herbst und Herbig selbst in Nebenrollen nur angestrengte Grimassen einfallen. Einem Kinderpublikum wird dies den harmlosen Spaß an der nordischen Abenteuerkomödie aus Teutonien wohl nicht vermiesen.


Text:
Sascha Rettig

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Wickie und die starken Männer“ im Kino in Berlin

Wickie und die starken Männer, Deutschland 2009; Regie: Michael Herbig; Darsteller: Jonas Hämmerle (Wickie), Waldemar Kobus (Halvar), Nic Romm (Tjure); Farbe, 90 Minuten

Kinostart: 9. September

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