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„Wie beim ersten Mal“ im Kino

BarryWetcher_WildBunchGermanyDie Zeit kann für Paare irgendwann zum Feind werden. Dann wenn jeder Tag ähnlich wird, der Alltag auf Autopilot abläuft und die Routine nach und nach die Liebe auffrisst. Nach Jahrzehnten kann so aus dem Zusammenleben ein Nebeneinanderher-Existieren werden. Und dann? Getrennte Wege gehen? Oder doch noch einmal einen Rettungsversuch starten? Vor dieser Frage steht auch Hausfrau Kay (Meryl Streep) aus David Frankels Ehekrisen-Dramödie „Wie beim ersten Mal“, weil ihre Ehe mit Arnold (Tommy Lee Jones) nach 30 Jahren in einer Sackgasse gelandet ist. Ihrer Meinung nach zumindest. Denn während er sich komfortabel in der Alltagsbequemlichkeit eingerichtet hat, will sie Anerkennung, Abwechslung und mehr als nur bis zum bitteren Ende vor sich hin funktionieren. Also drängt sie ihren störrischen Mann, ihr in das Kleinstädtchen Hope Springs zu folgen. Dort hat Kay eine Paartherapie gebucht.

Zwar ist der Therapeutenstuhl mit Steve Carell auch sehr prominent besetzt. Doch der Komiker hält sich hier zurück, bleibt diesmal ganz ernst und begnügt sich mit dem Part des Impulsgebers, der die untote Zweckgemeinschaft vor allem im Bett wiederbeleben will. Es wäre ohnehin zwecklos, gegen das Ausnahmeduo anzuspielen, das sich hier aneinander abarbeiten darf: Tommy Lee Jones kommt zunächst einmal mehr als harter Knochen daher, der auch als meckernder Gatte nicht viele Worte verliert, aber letztlich beim zögerlichen Springen über mehrere Schatten doch mutig einige Schwächen bloßlegt. Daneben gibt
Meryl Streep als ganz normal frustrierte Hausfrau eine weitere Kostprobe ihrer Dauergrandiosität.

So wie Arnold und Kay wäre allerdings auch Frankels („Der Teufel trägt Prada“) unentschlossen schizophrene Inszenierung ein Therapiefall. Der Regisseur will seinem Silver-Ager-Publikum offenbar nicht nur die schmerzhafte, unbequeme, intime Krisentherapie zumuten, sondern unbedingt auch etwas Leichtigkeit in diese vertrackte Ehekiste und die ungelenken Annäherungsversuche bringen. Doch die illustrierenden Songs werden peinlich plump eingesetzt und die Komödieneinschübe bleiben überwiegend von fortgeschrittener Schlichtheit. Zielsicher verhindert Frankel so, dass aus dem großen Zweier-Schauspielgipfel auch größeres Kino werden kann.

Text: Sascha Rettig

Foto: Barry Wetcher / Wild Bunch Germany

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Wie beim ersten Mal“ im Kino in Berlin

Hope Springs USA 2012; Regie: David Frankel; Darsteller: Meryl Streep (Kay Soames), Tommy Lee Jones (Arnold Soames), Steve Carell (Dr. Bernie Feld); 100 Minuten; FSK 6; Kinostart: 27. September

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