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Komödie 

Wie werden Seifenopern im Westjordanland produziert? „Tel Aviv on Fire“ erklärt es

Verbündete Feinde: Der Film amüsiert mit Situationskomik und verweist auf das Absurde in der Koexistenz zweier verfeindeter Völker mit gleichen Vorlieben

Foto: Patricia Peribanez / Samsa Film / TS Productions / Lama Films / Artemis Productions

Salam ist ein schlaffer, in Israel lebender Palästinenser mittleren Alters, der an Geldnot und dem Verlust seiner Freundin leidet. Als er von einem Onkel, der im autonomen Westjordanland eine bei Israelis wie Palästinensern gleichermaßen beliebte TV-Soap-Opera produziert, zum Drehbuchautor ernannt wird, entwickelt der Müßiggänger plötzlich Ambitionen. Doch ohne Know-how und Fantasie kommt Salam nicht voran beim Schreiben – bis er an einen israelischen Kommandanten des Grenzübergangs gerät, den Salam tagtäglich auf dem Weg zum Filmstudio passieren muss. Der selbstgefällige Offizier zwingt Salam zur Zusammenarbeit am Skript, was zu gravierenden Wendungen beim ursprünglich anti-zionistischen Serienplot führt.

Der Film amüsiert mit Situationskomik, verbindet Farce mit Fakten und verweist auf das Absurde in der Koexistenz zweier verfeindeter Völker mit gleichen Vorlieben: für schnulzige Fernsehserien und leckeren Kichererbsenbrei (Hummus). Parodiert werden die Produktionsbedingungen und Inhalte der Daily Soaps, realistisch nachgestellt sind die strengen, mitunter schikanösen Grenzkontrollen des israelischen Militärs. Besonders reizvoll wirkt der Kontrast des nuancierten, zurückhaltenden Spiels von Kais Nashif als Salam und Yaniv Bitos genüßlich-outriertem Gebaren als israelischer Machomann in Uniform bei ihren Auseinandersetzungen als Ko-Autoren.

Tel Aviv on Fire LUX/F/IL/B 2018, 97 Min., R: Sameh Zoabi, D: Kais Nashif, Yaniv Bito, Lubna Azabal, Nadim Sawalha, Start: 4.7 

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