Gesellschaftsporträt

„Wiener Dog“ im Kino

Bester Freund: Hundebesitzer als erzählerischer Faden in „Wiener Dog“

Wiener Dog
Foto: Prokino

Über den Drehbuchautor Dave Schmerz (Danny DeVito) ist die Zeit ungnädig hinweg gegangen. Der Unterricht am College ist seine letzte Verbindung zur Welt, in Hollywood erreicht er nur noch die Assistenten der Assistenten. Schmerz ist nicht viel besser dran als sein Dackel. Vielleicht hat es der sogar besser.

Das ist eine der philosophischen Folgerungen aus „Wiener Dog“ des amerikanischen Absurdisten Todd Solondz. Ein  bester Freund des Menschen wechselt mehrfach die Besitzer, zuerst bekommt er Durchfall in einem Suburbia-Eigenheim, später sieht man ihn bei einer alten Dame, die Besuch von ihrer ­finanziell bedürftigen Enkelin und deren coolem Künstlerboyfriend bekommt – mit dem auch das finale Schicksal zu tun hat, eine brillante Pointe zu einem tollen Film.

Solondz erzählt diese Fabel über die Hinfälligkeit aller Kreatur mit dem ihm­eigenen Deadpan: ungerührte Bilder einer Welt, die zugleich banal und geheimnisvoll wirkt, und die man doch nicht anders als mit viel (Mit-)Gefühl sehen kann. Häufig wird Solondz vorgeworfen, er wäre ein ­Misanthrop. Das Gegenteil ist richtig: Er ist einer der letzten Humanisten im US-Kino, das wird hier deutlich, wo im Mittelpunkt eine Kreatur steht, die „nur“ als der beste Freund des Menschen gilt.

Wiener-Dog  USA 2016, 88 Min., R: Todd Solondz, D: Ellen Burstyn, Kieran Culkin, Julie Delpy, Danny DeVito, Start: 28.7.

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