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„Wild Child“ im Kino Arsenal

A tout de suite

Ihre Figuren blühen auf im Ausnahmezustand, erwachen zu Leben, wenn die Regeln außer Kraft gesetzt sind. Ihre Glut mag zunächst schüchtern anmuten, aber um der moralischen Enge ihres Milieus zu entkommen, scheuen sie kein Risiko. Ihr Erfahrungshunger sprengt die bürgerlichen Konventionen: Vertrauensvoll geben sie sich in die Hände des Marquis de Sade oder brennen mit Schwerverbrechern durch. Sind ihre Hingabe und Schwärmerei nur arglos? Ein Kind ist Isild Le Besco längst nicht mehr, aber die Wildheit gibt sie auch dann nicht auf, wenn sie hinter der Kamera steht. Mit ihrem Regiedebüt „Demi-tarif“, einer Studie glücklicher kindlicher Verwahrlosung, hat sie sich entschlossen aus dem Schatten ihres Pygmalion Benoоt Jacquot gelöst. Mit rastloser Einfühlsamkeit begibt sie sich seitdem in einen eigenen, anarchischen Kosmos des Erzählens.

Text: Gerhard Midding

Foto: Arsenal – Institut für Film und Videokunst (Quelle)

Wild Child – Filme von und mit Isild Le Besco, ?Arsenal-Kino, 18.–31.10.

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