Tragikomödie

„Wilde Maus“ im Kino

Josef Hader als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller zeigt uns die Absurditäten des Lebens

© WEGA Film

„Das Tragikomische ist für mich die beste Abbildung dessen, was man Leben nennt.“ Der das sagt, kennt sich aus in Sachen Humor. Denn seit Jahrzehnten ist Josef Hader einer der besten Kabarettisten im deutschsprachigen Raum, hat sich aber seit dem fulminanten „Indien“ (1993) auch im Kino als Schauspieler bewährt, vor allem als Schnüffler Brenner in den mittlerweile vier Verfilmungen der Krimis von Wolf Haas, zuletzt in „Das ewige Leben“ (2015). Und nun hat sich der Österreicher zum ersten Mal auf den Regiestuhl begeben, nach einem eigenen Drehbuch.

In „Wilde Maus“ spielt Hader selbst die Rolle des Georg. Der ist Musikkritiker bei einer angesehenen Wiener Tageszeitung. Beziehungsweise war. Denn sein Chef (Jörg Hartmann) hat ihn kurzerhand vor die Tür gesetzt. Völlig unvorstellbar für einen Mann, der sich für absolut unentbehrlich gehalten hat. Seiner Frau, der Therapeutin Johanna (Pia Hierzegger), verheimlicht Georg die Arbeitslosigkeit, die ist sowieso hauptsächlich damit beschäftigt, auf ihren nächsten Eisprung zu warten, um endlich den lang ersehnten Nachwuchs zu zeugen.

Und so lässt sich Georg treiben und tut sich mit Erich (Georg Friedrich) zusammen, um im Pratergarten eine altes Achterbahn namens „Wilde Maus“ wieder in Betrieb zu nehmen. Doch was Georg wirklich will, ist Rache. Rache am Chef. Das fängt mit Lackkratzern in dessen Sportwagen an. Und nachdem sich Georg im Lügengebilde gegenüber seiner Frau immer mehr verstrickt und sie ihn vor die Tür gesetzt hat, fast er einen fatalen Entschluss und besorgt sich eine Pistole.

Hinter dem Alltag eines jeden lauert der Wahnsinn, so könnte man die Essenz dieser wunderbar hintersinnigen Tragikomödie zusammenfassen. Hier kracht etwas zusammen, dort klappt etwas nicht – und schon steht ein eigentlich wohlsituierter Mann vor dem Scherbenhaufen dessen, was einmal seine Existenz war. Geschult am Können von Brenner-Regisseur Wolfgang Murnberger findet Regisseur Hader die richtige Stimmung und ein angemessen verschlepptes Timing für seine Geschichte; gleichzeitig gelingt ihm das Kunststück, diesem Kotzbrocken Georg immer auch einen Rest Sympathie mitzugeben. Und so verfolgen wir empathisch den schleichenden Amoklauf eines Menschen wie du und ich. Martin Schwarz

Wilde Maus A 2016, 103 Min., R: Josef Hader, D: Josef Hader, Pia Hierzegger, Jörg Hartmann, Georg Friedrich, Denis Moschitto, Nora von Waldstätten u.a.

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