• Kino & Stream
  • Wim Wenders über Campino, Musik und seinen Film „Palermo Shooting“

Kino & Stream

Wim Wenders über Campino, Musik und seinen Film „Palermo Shooting“


tip Herr Wenders, Sie haben mit „Palermo Shooting“ einen Film über die Begegnung mit dem Tod gemacht, in dem auch die Musik eine zentrale Rolle spielt. Wie passt das zusammen?
Wim Wenders „Tod“ ist im Kino das Tabuthema schlechthin. In der Musik ist das überhaupt nicht so. Die ganze Blues- und Rock-Geschichte ist voll mit Liedern, die sich ohne Scheu mit dem Thema beschäftigen. Das hat mich darin bestärkt, diesen Film zu machen. Wie einen Rock’n’Roll-Song.

tip Denken Sie wirklich, dass der Tod im Film tabuisiert wird?
Wenders Natürlich kommen im Kino dauernd tausend Tote vor. Man darf so viel Leute umlegen, wie man will. Aber den eigentlichen Umgang mit dem Tod zu thematisieren, ihm in die Augen (oder auf die Finger) zu schauen, das ist noch immer ein krasses Tabu.

tip „Palermo Shooting“ hat einen außergewöhnlichen Soundtrack. Wie ist die Auswahl der Songs zustande gekommen?
Wenders Ein paar Sachen standen bereits im Drehbuch. „Some Kinda Love“ von Velvet Underground war da schon drin, der Song von Bonnie „Prince“ Billy, „Death to Everyone“, auch. Der Rest ist Musik, die mich während der Entstehung des Films begleitet hat, die ich unterwegs oder nachts beim Schreiben oder auch beim Drehen in Palermo gehört habe.

tip Die Zusammenstellung überrascht durch ihre Geschmacks­sicherheit. Neben alten Bekannten wie Nick Cave sind einige Neuentdeckungen dabei.
Wenders Vor allem Get Well Soon und Monta. Die Platten dieser beiden jungen deutschen Bands haben mir so ausnehmend gut gefallen, dass ich die beiden –­ es sind je­weils „Ein-Mann-Bands“, Kons­tan­tin Gropper und Toby Kuhn – gefragt habe, ob sie Lust hätten, einen Song für den Film zu schreiben. Jason Collett ist einer, den ich zwar schon viel gehört habe, aber der noch nie in einem Film von mir
vorkam. Dann gibt’s ein Lied von Sibylle Baier, eine ganz alte Freundin, die schon in „Alice in den Städten“ zu hören und zu sehen war. Und den Score hat Irmin Schmidt geschrieben, der Kopf der legendären CAN. Wim Wenders in Soul of a Man

tip Während andere Regisseure ihre Soundtracks von musikalischen Beratern zusammenstellen lassen, sprechen Sie die Musiker per­sönlich an, deren Stücke Sie verwenden möchten. Wie haben Sie es geschafft, an Songs von Portis­head und Beth Gibbons he­ranzu­kommen?
Wenders Alle haben mich immer nur gewarnt: Finger weg, das brauchst du gar nicht erst zu versuchen, Portishead geben ihre Sachen nicht weg, und von Beth Gibbons ist noch nie irgendwas auf einem Soundtrack erschienen. Da wollte ich es dann erst recht wissen. Ich fand, dass es für das Ende des Films kein besseres Stück als „Mys­teries“ von ihrer Soloplatte „Out of Season“ gab. Es war tatsächlich nicht so einfach. Zunächst passierte genau das, was alle vorhergesehen hatten: Sie war nicht zu sprechen …

Lesen Sie das vollständige Interview von Hagen Liebing und Heiko Zwirner in tip 24/08

Palermo Shooting

ab Do 20.11. im Kino

Meldung Konzertverschiebung

Mehr über Cookies erfahren