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„Wir schaffen das schon“ im Kino

wir_schaffen_das_schonDas 1978 in Italien verabschiedete Gesetz 180 revolutionierte die Psychiatrie im Land: Patienten wurden aus den Kliniken entlassen und in Familien, betreuten Wohngemeinschaften oder Kooperativen untergebracht. Der engagierte linke Gewerkschafter Nello leitet so eine Kooperative in Mailand, nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt es ihm, die stark verhaltensgestörten Frauen und Männer zur Mitarbeit zu motivieren, ihre Psychopharmaka-Medikation zu reduzieren und ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen mit ihnen zu gründen.

Ohne sich über „Irre“ lustig zu machen, setzt Regisseur Giulio Manfredonia das abenteuerliche, zum Teil auch tragische Geschehen mit glaubwürdigen Darstellern und Situationskomik so in Szene, dass man nach und nach Sympathie für die geistig Gestörten empfindet. Claudio Bisio spielt den Nello als gewieften Manipulanten und Organisator mit zwiespältigem Charakter und menschlichen Schwächen: mal wütend, dann geduldig und verständnisvoll, verbissen beim Verfolgen seiner Ziele, dabei ignorant gegenüber den Bedürfnissen seiner Geliebten, dogmatisch, doch auch anpassungsfähig.

Text: Ralph Umard

Foto:  Claudio Iannon/Kairos Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Wir schaffen das schon“ im Kino in Berlin

Wir schaffen das schon Italien 2008; Regie: Giulio Manfredonia; Darsteller: Claudio Bisio (Nello), Giovanni Calcagno (Luca), Anita Caprioli (Sara); 110 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 18. August

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