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„Wir sind alle erwachsen“ von Anna Novion im Kino

Wir sind alle erwachsenDer Ferienfilm ist ein ruhmreiches und beliebtes Genre in Frankreich; vor allem, wenn die Urlauber das eigene Land gar nicht erst verlassen müssen. In den Komödien hingegen, die in diesem Jahr in unsere Kinos kommen, beschreibt diese Spielart der Selbstvergewisserung andere Wege: Auffallend oft müssen Franzosen in die Fremde reisen, um sich selbst zu entdecken. Häufig sind es Väter, die dringend Luftveränderung brauchen, um ihre Rolle zu überdenken. Albert (Jean-Pierre Darroussin) ist einer, mit dem seine Tochter Jeanne (Anaпs Demous­tier) viel Nachsicht üben muss: ein pedantischer Bibliothekar, der alle Welt mit seiner Gelehrsamkeit behelligt und nicht wahrhaben will, dass sie kein Kind mehr ist. Es käme ihm nie in den Sinn, dass sie zu ihrem 17. Geburtstag sehnlichere Wünsche haben könnte, als mit ihm und einem Metalldetektor in Schweden auf Schatzsuche zu gehen. Aber er hat die Rechnung weder mit dem blonden Johan noch mit den beiden Mittvierzigerinnen gemacht, mit denen sie unverhofft ihr Ferienhaus teilen müssen.
Mit aller gebotenen Sensibilität begleitet die Regiedebütantin Anna Novion ihre introvertierte Heldin auf einem luftigen, wehmütigen Parcours der Kränkungen, verlorenen Illusionen und erstrittenen Autonomie. Es kommt im Wesentlichen alles so, wie es kommen muss. Der Filmtitel bezeichnet keinen Zustand, sondern ein Ziel: Am Ende eröffnen sich für die vier Hauptfiguren viele Perspektiven – und vielleicht sogar einige Gewissheiten.

Text: Gerhard Midding

tip-Bewertung: Annehmbar

Wir sind alle erwachsen (Les grandes personnes), Frankreich/ Schweden 2008; Regie: Anna Novion; Darsteller: Jean-Pierre Darroussin (Albert), Anaпs Demoustier (Jeanne), Judith Henry (Christine); Farbe, 84 Minuten

Kinostart: 7. Mai

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