Literaturfilm

„Wir töten Stella“ im Kino

1963 veröffentlichte die österreichische Schriftstellerin Marlen Haushofer den bis heute von vielen kultisch verehrten Roman „Die Wand“. Erst 2012 gelang ihrem Landsmann, dem renommierten Regisseur Julian Roman Pölsler, eine kongeniale Verfilmung mit Martina Gedeck in der einsamen Hauptrolle. An diesen Erfolg will Pölsler nun anknüpfen, indem er sich erneut eine Vorlage Haushofers (von 1958) vorgenommen und Gedeck als Hauptdarstellerin besetzt hat. Allein: Es will diesmal nicht so recht funktionieren

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Wohlsituiert, so könnte man es wohl nennen, das Leben von Anna (Martina Gedeck) und Richard (Matthias Brandt). Er erfolgreicher Anwalt, sie Hausdame. Die Situation im schnieken Haus ändert sich komplett, als Stella (Mala Emde) – die Tochter von Freunden – für eine unbestimmte Zeit einzieht. Das verhuschte Mädchen wird dieses labile Familiengefüge unbewusst durcheinanderbringen.

Wie das nun vonstattengeht und wie es zu Stellas ja bereits im Titel angekündigten Tod kommt, das schildert Anna selbst, in dem sie in einem endlosen Voice-Over-Kommentar spricht, die Geschehnisse niederschreibt und wir sie dann in Rückblenden sehen. Mit dieser Vorgehensweise knickt Pölsler letztlich vor der mächtigen literarischen Vorlage ein, Martina Gedecks Erzählen mit sonorer Stimme wirkt extrem unfilmisch und bremst die gesamte Dramaturgie des Films aus.

Die Rückblenden wirken überaus artifiziell, was von Pölsler sicherlich so beabsichtigt ist, um die Künstlichkeit der familiären Idylle zu betonen. Doch der extrem komplizierte Charakter Annas – sie ist es, die Stella in schöne Kleider packt und dadurch für ihren Mann interessant macht – bleibt vage. So können auch die beiden großen Schauspielkünstler Martina Gedeck und Matthias Brandt nicht verhindern, das uns dieser Film so gar nicht berühren will – die literarische Vorlage hat sich offenbar verweigert.

Wir töten Stella A 2017, 98 Min., R: Julian Roman Pölsler, D: Martina Gedeck, Matthias Brandt, Mala Emde, Start: 18.1.

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