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„Women without Men“ im Kino

Women Without MenFaezeh, Fakhri, Munis und Zarin heißen die vier Frauen, die in „Women without Men“, dem Spielfilmdebüt der iranischstämmigen Videokünstlerin Shirin ­Neshat, den Versuch unternehmen, ihr Leben selbst zu bestimmen. Zarin (Bild: Oris Tуth), die kein Wort spricht, flieht aus dem Bordell, in dem sie arbeitet. Munis entwindet sich dem kupplerischen Zugriff ihres Bruders und schließt sich politischen Aktivisten an. Fakhri verlässt ihren lieblosen Ehemann und zieht in einen Garten vor den Toren Teherans. Faezeh erkennt, dass der von ihr geliebte Mann sie nur benutzen will, und sucht das Weite. Vier Frauen, die sich im Iran im Sommer des Jahres 1953 für kurze Zeit kleine Freiräume erkämpfen.
Es war jener Sommer, in dem Mohammed Mossadegh, vom Parlament gewählter Premierminister Irans, durch einen von den USA und Großbritannien unterstützten Putsch gestürzt wurde, dessen Motiv die Kontrolle über die Ölvorkommen des Landes war. Vielen gilt der Sturz Mossadeghs und die anschließende Erstarkung des Schahs in seiner absolutistischen Machtfülle als Initialzündung für die konfliktreiche Entwicklung, die der Iran sowohl innenpolitisch als auch in seiner Beziehung zum Westen nahm.
Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Bedrohungsszenarien verspricht ­Neshats Stoff – den sie gemeinsam mit Koautor Shoja Azari inszenierte und der auf dem gleichnamigen, 1989 erschienenen und im Iran verbotenen Roman von ­Shahrnush Parsipur beruht – einen erhellenden Beitrag zur Ursachenforschung. Allein, künstlerischer Anspruch, poetisch-metaphorische Bildgestaltung und Strukturierung des Stoffes finden in ihrem Film kaum einmal zu einer Einheit, und die ganze Unternehmung schrammt immer wieder haarscharf an einem prätenziösen Ästhetizismus entlang, der den narrativen Sinn einer Szene nur allzu bereitwillig deren schöner Oberfläche opfert. Die Jury der Filmfestspiele von Venedig sah das 2009 anders und zeichnete „Women without Men“ mit dem Silbernen Löwen für die Beste Regie aus.

Text: Alexandra Seitz

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseurin Shirin Neshat

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Women without Men“ im Kino in Berlin

Women without Men, Deutschland/Österreich/Frankreich 2009; Regie: Shirin Neshat; Darsteller: Pegah Ferydoni (Faezeh), Arita Shahrzad (Fakhri), Shabnam Tolouei (Munis); 99 Minuten

Kinostart: 1. Juli

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