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„To The Wonder“ im Kino in Berlin

To The Wonder

Der Amerikaner Neil und die Französin Marina erleben den Anfang ihrer Liebe in Europa und deren Niedergang, als sie mit ihrer Tochter zu ihm in die ländlichen Südstaaten zieht. Sie sucht Trost bei einem katholischen Priester, der selbst mit seiner Liebe zu Gott hadert. Es ist nicht die Realität, an der die Liebe scheitert, sondern es sind die Bilder, die mit dem Wechsel der Kontinente gleichsam ernüchtern. Das Tanzen der Kamera in Paris und die rauschhafte Nähe der Großaufnahmen, eine Umarmung im Kreuzgang des winterlichen Mont St. Michel und galante burgundische Tapisserien beschwören einen jahrhundertealten, medienübergreifenden europäischen Liebesdiskurs, der die gegenwärtige Liebe immer nur als „die große“ denken kann.
Die Filme des studierten Philosophen Terrence Malick sind oft Gratwanderungen. In „To the Wonder“ versucht er einen Balanceakt zwischen Abbildung und Metapher als Grundstrukturen filmischer Sinnstiftung, die im Grenzfall deckungsgleich werden, das Allgemeine im Konkreten begreiflich machen. Es wird entsprechend nicht nur eine Liebesgeschichte erzählt, sondern Möglichkeit und Bedingungen der Liebe verhandelt.
Für die Maßstäbe des Regisseurs, der trotz des frühen Ruhms mit „Badlands“ (1973) bisher nur fünf Filme gemacht hat, sind die zwei Jahre, die seit „The Tree of Life“ vergangen sind, ein unerhört kurzer Zeitraum. Andererseits wirkt „To the Wonder“ auch wie eine Fortführung dieses gigantomanischen Welterklärungsprojekts, von dem er einige Sequenzen mit erhabenen Naturaufnahmen übernommen hat, wie eine Nachforschung über die Liebe als mächtiger Ast des Lebensbaumes.
Der Film schlägt über weite Passagen einen hohen Ton an, der für die (post-)modern-kritisch geschulte Wahrnehmung nur schwer zu ertragen ist. Wenn auf der einen Seite des Grats das Paradies liegt, das unmittelbar ergreifende Bild als Zustand der Gnade, lauert auf der anderen Seite dessen Kolonialisierung, die marktkonforme Ausbeutung des Mythos: die Shampoowerbung. Malick setzt beim Zuschauer eine bewusste Entscheidung voraus, verlangt die Reinigung des Blicks von Ironie und Zynismus und eine Regression der narrativen Erwartung bis an den Punkt, an dem Wunder zum privilegierten Erzählanlass werden. Nicht jeder wird ihm hier folgen wollen oder können.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Mary Cybulski / Studiocanal GmbH / 2010 Redbud Pictures

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „To The Wonder“ im Kino in Berlin

To the Wonder, USA 2012; Regie: Terrence Malick; Darsteller: Ben Affleck (Neil), Olga Kurylenko (Marina), Rachel McAdams (Jane); 112 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 30. Mai

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