Comicverfilmung

„Wonder Woman“ im Kino

Von der Fantasieantike in die Retromoderne: „Wonder Woman“ überzeugt in ihrem ersten ­großen Kinoauftritt

Foto: Warner Bros

Gemessen daran, dass Wonder Woman zu den ­ältesten und populärsten Figuren im Universum des DC Verlags gehört, gestaltete sich ihre Karriere als Filmheldin ­bislang überschaubar: Der Gastauftritt im Blockbuster „Batman vs. Superman: Dawn of Justice“, ihrer Einführung in das Franchise, war ihr Debüt.
Doch was lange währt…: „Wonder Woman“ der US-Regisseurin Patty Jenkins („Monster“), erweist sich als ein unterhaltsames und – verglichen mit anderen, oft  verworren daherkommenden Comic-Verfilmungen – gradliniges und nerdfreies Abenteuer. Dabei zeigt sich die Amazonenprinzessin in der Verkörperung durch die israelische Schauspielerin Gal Gadot mit ihrem Mix aus stoischem weiblichem Selbstbewusstsein und freundlicher Naivität im Superheldengenre als erfreuliche Alternative zum stoffeligen Superman und dem Dauer­grübler Batman.

Ausgestattet mit Armreifen, die jedes Geschoss abwehren können, sowie ihrem magischen Wahrheits-Lasso und einer gesunden Dosis Humor katapultiert sich die Halbgöttin aus einer Fantasieantike in die Retromoderne der Zeit des Ersten Weltkriegs (im ursprünglichen Comic war es noch der Zweite), um sich für Liebe und Frieden einzusetzen. Dass dies stets mit viel Krach und Zerstörung einhergeht, gehört zum Genre. Die Optik macht ordentlich etwas her, manchmal auch in überraschender Weise, wenn Einstellungen eher an die Opulenz barocker ­Gemälde als an einen Comic denken lassen.

Die Produktionsgesellschaft hatte für das „Wonder Woman“-Projekt explizit nach einer Regisseurin gesucht; am ehesten macht sich der weibliche Touch wohl darin bemerkbar, dass der männliche Held Chris Pine (als Flieger Steve Trevor) neben ­Gadot blass wirkt. Dass Greg Rucka, einer der aktuellen Comic-Autoren, Wonder Woman aufgrund ihrer Herkunft aus dem nur von Frauen bewohnten Amazonenreich als bisexuell bezeichnete, spielt im Film keine Rolle – da ist dann doch die kassenträchtige Familienfreundlichkeit vor: sexy ja, Sex lieber nicht. Hauptsache, sie heiratet in kommenden Sequels nicht den öden Superman: Das gab’s als Comic auch schon mal.

Wonder Woman USA 2017, 142 Min., R: Patty Jenkins, D: Gal Gadot, Chris Pine, Robin Wright, David Thewlis. Start: 15.6.

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