Kino & Stream

Woody Allen im Interview – Teil 3

tip: Owen Wilson hat schöne Ähnlichkeiten mit der Woody-Allen-Persona, die Sie in zahlreichen Filmen immer weiterentwickelt haben …
Allen: Ich glaube, da machen die Leute, wenn sie das denken, einen Fehler. Ich hätte die Rolle spielen könne, weil ich sie für eine Figur wie mich geschrieben habe. Aber wir konnten niemanden wie mich finden, um sie zu spielen. Als dann Owens Name aufkam, dachten wir: Das kann man vergessen. Er ist das reine Gegenteil von mir: Er lebt in Hawaii, kommt aus Texas, klingt wie ein Cowboy. Aber er ist ein wunderbarer Schauspieler. Und wir haben das ganze Drehbuch neu geschrieben für Owen. Vielleicht hätte ich seine Rolle vor Jahren spielen können, aber er macht das vollkommen anders als ich. Er ist so: Kalifornien. Und ich bin so: New York, so nervös.

Midnight_in_Paristip: Er war ja nicht immer so sonnig. Er hat auch seine Depressionen und einen Selbstmordversuch hinter sich. Ich dachte, dass Sie vielleicht gerade diese Gebrochenheit an ihm angezogen hätte.
Allen: Ja, er ist als Schauspieler für mich sehr interessant, denn er kann lustig sein, auf eine Weise, die ich mag – ohne dass es New York ist, nicht eastcoastfunny, sondern westcoastfunny. Und ich finde sehr wenige Leute von der Westküste lustig. Er ist auf eine täuschende, irreführende Art intelligent: Man denkt, er ist ein blonder Cowboy, ein Bauernbursche aus Kansas oder Texas, aber wenn er spricht, ist er sehr intelligent – er ist belesen, weit gereist, sehr artikuliert, mit interessanten Gedanken. Ich habe es total genossen, mit ihm zu arbeiten.

tip: In der „New York Times“ haben Sie noch vor der Premiere von „Midnight in Paris“ einen satirischen Text publiziert, in dem Sie den ohnehin sehr surrealen Stoff Ihres Filmes in noch viel surrealere Höhen treiben: Auch van Goghs Ohr und Carla Bruni spielen darin eine Rolle. Bedauern Sie denn, dass Sie beim Film nicht noch einen Schritt weiter gegangen sind?
Allen: Nein, aber ich dachte mir schon, als ich den Text publiziert habe, dass die Leute sagen werden: „Oh, ich will lieber den Film aus der ‚Times‘ sehen!“ (lacht heftig)

tip: Waren Sie einen Moment lang versucht, diese Version auch zu drehen?
Allen: Nun, das Problem bei der „Times“-Version  ist: Sie würden brüllen vor Lachen, aber nur für zehn Minuten. Man würde sich nicht mit den Figuren identifizieren können – es ist zu verrückt. Aber es wären sehr lustige zehn Minuten.

tip: Nach London, Barcelona und Paris ist der nächste Stopp auf Ihrer Europafilmreise Rom. Sie drehen dort Ihren kommenden Film. Haben Sie auch Pläne für Berlin?
Allen: (lacht) Mich hat bis jetzt niemand aus Berlin angerufen und gesagt: Bitte machen Sie einen Film hier – wir finanzieren ihn.

tip: Aber Sie wären offen für die Idee?
Allen: Für Berlin? Sicher! Der Gedanke für drei Monate in Berlin zu leben und einen Film zu drehen, wäre sehr verlockend. Ich war ein paar Mal in Berlin. Es ist reizend. 

Interview: Robert Weixlbaumer

tip-Filmkritik: „Midnight in Paris“

zurück | 1 | 2 | 3 |

 

Mehr über Cookies erfahren