Dokumentarfilm

„Wunder der Wirklichkeit“ im Kino

Am 22. Dezember 1991 endete „ein fröhlicher Filmdreh in einer alten DC 3“ mit einem schrecklichen Unglück: Das Flugzeug stürzte im dichten Nebel ab, 28 Menschen kamen ums Leben, darunter einige Künstler aus dem südhessischen Rüsselsheim. Mehr als ein Vierteljahrhundert später sah Thomas Frickel, der damals als Lokalredakteur für eine Zeitung berichtete, die Zeit gekommen, an die fröhliche Gruppe zu erinnern, deren Arbeit damals jäh unterbrochen wurde.

Der Dokumentarfilm „Wunder der Wirklichkeit“ erzählt vor allem von einer inspirierenden Figur: Martin Kirchberger war die treibende Kraft hinter den vielen unterschiedlichen Aktionen, mit denen junge Leute in Rüsselsheim damals ihrer Kreativität und ihrem Lebenshunger Ausdruck verliehen.
Real Fiction

Der Dokumentarfilm „Wunder der Wirklichkeit“ erzählt vor allem von einer inspirierenden Figur: Martin Kirchberger war die treibende Kraft hinter den vielen unterschiedlichen Aktionen, mit denen junge Leute in Rüsselsheim damals ihrer Kreativität und ihrem Lebenshunger Ausdruck verliehen. Als „Wende-Maler“ malten sie Wandbilder gegen den Geist der Ära Kohl (die lokale Politik unterstützte sie dabei durchaus), es ging aber auch um konkrete politische Ziele wie die Verhinderung der Startbahn West.

Frickel erinnert an eine künstlerische Familie, die ähnliche Bedeutung hätte bekommen können wie die von Christoph Schlingensief oder Helge Schneider. Von einer jungen Frau, die er als Zivildienstleistender kennenlernte, entlehnte Kirchberger den Namen für sein „Cinema Concetta“: verspielte Kurzfilme, die an einer Stelle in wunderbarem lokalen Dialekt als „mockumentaries“ bezeichnet werden. „Wunder der Wirklichkeit“ führt in eine nahe west-deutsche Vergangenheit und macht schmerzlich-schön einen großen Verlust nachvollziehbar.

Wunder der Wirklichkeit D 2017, 97 Min., R: Thomas Frickel, Start: 24.5.

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