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„X-Men: Erste Entscheidung“ im Kino

X-Men: Erste Entscheidung

Zu den Mechanismen des modernen Unterhaltungsfilms gehört der Rückgriff. Insofern folgt „X-Men: Erste Entscheidung“ den Gesetzen des Marktes. Filmemacher Matthew Vaughn und Produzent Bryan Singer fangen hier mit neuem Personal wieder von vorne an. Dramaturgisch wie inhaltlich dient dabei Singers „X-Men“ (2000) als Bezugspunkt, erneut beginnt die Geschichte 1944 im KZ. Dort verbiegt ein Kind mit mysteriösen Kräften das meterhohe Stahltor: Der kleine Erik Lehnsherr wird prompt zum Nazi-Wissenschaftler Karl Schmidt gebracht (Kevin Bacon spricht Deutsch, das ist so amüsant wie verstörend). Schmidt bietet dem Jungen erst Schokolade an und erschießt dann dessen Mutter. Zur gleichen Zeit ertappt der junge Charles Xavier im elterlichen Schloss in den USA eine Einbrecherin: der Anfang einer großen Freundschaft mit Raven.
Auf der einen Seite Entbehrung, Folter, Tod, auf der anderen behütete Jugend: Als Charles (James McAvoy) 1962 auf Erik (Michael Fassbender) trifft, ist der eine ein wohlhabender Wissenschaftler und der andere ein rücksichtsloser Nazi-Jäger. Trotz Respekt und freundschaftlicher Gefühle zeichnet sich da schon der Konflikt ab: Sollen die Mutanten den Normalos helfen oder sie fürchten? Dass der Alt-Nazi Schmidt als „Sebastian Shaw“ mit seiner Gruppe von Mutanten die Welt erst in die Kuba-Krise und dann in den Atomkrieg stürzen will, schweißt Charles, Raven (Jennifer Lawrence), Erik und eine Handvoll mehrbegabter Jugendlicher zunächst zusammen. Zum Happy End wird es aber kaum kommen.
Wunderbar altmodisch, ohne viel CGI oder übertriebenen Respekt vor der verworren-überladenen Comic-Saga der X-Men erzählen Vaughn und Singer ihre Geschichte vor der Kulisse des Kalten Kriegs und der frühen Sechziger mit Tempo, gelegentlichen Grobheiten und vielen guten Ideen. Dass sie dabei auf ihr Personal setzen, macht den Film erst interessant: Wenn sich January Jones hier in lebendes Kristall verwandelt, ist das hübsch, aber nicht so spektakulär wie Fassbenders Darstellung eines Getriebenen, der nicht ohne Grund zum Bad Guy wird.

Text: Thomas Klein

tip-Bewertung: Sehenswert

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X-Men: Erste Entscheidung (X-men: First Class), USA 2011; Regie: Matthew Vaughn; Darsteller: James McAvoy (Charles Xavier, 24 J.), Laurence Belcher (Charles Xavier, 12 J.), Michael Fassbender (Erik Lensherr/Magneto); 131 Minuten; FSK 12

Kinostart: 9. Juni

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