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Drama

Xavier Dolan erzählt „Einfach das Ende der Welt“

Erfolg schafft Neider, das ist bekannt, und dementsprechend verhasst ist der kanadische Regisseur Xavier Dolan in manchen Kreisen. Was zum Teil zwar einer Aversion gegen den melodramatischen Stil des 26-Jährigen geschuldet sein mag, oft aber wenig nachvollziehbar ist. Die ­Kritik, die seinem neuen Film 2016 in Cannes von Teilen der Presse entgegenschlug, dürfte zudem auch damit zu tun haben, dass Dolan bereits zum fünften Mal nach Cannes eingeladen wurde – und diesmal den Großen Preis der Jury gewann.
Eine Auszeichnung, die kaum verwundert, hat Dolan doch mit Vincent Cassel, Nathalie Baye, Gaspard Ulliel, Marion Cotillard und Léa Seydoux die Elite des französischen Kinos versammelt, die sich mit großer Spielfreude vor der Kamera zerfleischt. Auch wenn der Film auf einem Theaterstück von Jean-Luc Lagarce basiert, darf man angesichts Dolans oft ausgestellter Probleme mit der eigenen Familie (sein Debüt hieß „I Killed My Mother“!) ­Para­llelen zu dessen Vita vermuten.

Einfach das Ende der Welt
Foto: Weltkino Filmverleih

Hier kehrt ein Erfolgsautor nach Jahren zu seiner Familie in die Provinz zurück, der er längst entfremdet ist. Stolz und Neid der Angehörigen lassen das Wiedersehen zunehmend eskalieren, was Dolan meist in Nahaufnahmen filmt. Extrem statisch hört sich das an, ist jedoch enorm mitreißend, intensiv gespielt und mit den typisch, an Videoclips erinnernden Bildern aufgebrochen. Das dies ein eher kleiner Film im Oeuvre des Wunderkinds ist, sagt zusätzlich viel über die großen Quali­täten des Filmemachers.

Juste la fin du monde (OT) CAN 2016, 97 Min., R: Xavier Dolan, D: Vincent Cassel, Nathalie Baye, Gaspard Ulliel, Marion Cotillard, Léa Seydoux, Start: 29.12.

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