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„Young Adult“ im Kino

Young Adult

Ein frischer Morgen in Minneapolis. Zu frisch für Mavis. Die letzte Nacht steckt noch in ihren verklebten blonden Fransen – kaum zu glauben, dass sie einst für ihre Frisur einen Preis bekam. Vor rund 20 Jahren war das, in einer Provinz-Highschool Minnesotas. Kein Ort für Mavis. Sie suchte ihr Glück in der großen Welt und schaffte immerhin den kurzen Sprung nach Minneapolis. Nun, eine gescheiterte Ehe später, schreibt sie leichte Romane für Mädchen in der Pubertät. Deren Wünsche und Ängste sind Mavis vertraut, pflegt sie doch noch immer juvenile Allüren und schnoddrigen Zynismus. Überfällige Kurskorrekturen übersieht die 37-Jährige geflissentlich, selbst wenn ihre Posen inzwischen so ausgeleiert wirken wie das „Hello Kitty“-T-Shirt zum Schlabberlook. Trotzdem: Irgendwann erreicht auch sie eine jener E-Mails, in deren Anhang putzige Bildchen vom ersten Baby prangen. Nicht jeder freut sich über so was. Schon gar nicht Mavis. Denn diese Mail kommt von Buddy, ihrer großen Jugendliebe. Jetzt will sie nur noch eines: Buddy verführen und aus dem Gefängnis seiner bestimmt tödlich langweiligen Ehe befreien.
Jason Reitman („Thank You for Smoking“, „Up in the Air“) hat sich für „Young Adult“ wieder mit Drehbuchautorin Diablo Cody zusammengetan, mit der ihm 2007 „Juno“ so erfrischend gelang. Doch der Charme und die Klugheit der schwangeren jungen Heldin von einst ist Mavis‘ Sache nicht. Alten Mustern verhaftet, hat sie ihre Neugier verloren, irgendwie tragisch. Charlize Theron hat sich diese Mavis bravourös erobert und scheut keine Nuance derer sukzessiven Selbstentblößung. Schamlos offenbart sie all die kleinen Tricks zur Kaschierung körperlicher Problemzonen ebenso wie die psychische Fragilität von Mavis. Reitman lässt seine Anti-Heldin auf ihrem verkrampften Verführungstrip jedoch nie im Stich. Mit dem gehandicapten Matt (Patton Oswalt) stellt er ihr einen Kleinstadtfreak zur Seite, der zumindest ihren Verbalattacken gewachsen ist. Wieder einmal stützen sich zwei Außenseiter gegenseitig, um wenigstens etwas Haltung zu wahren. Leider verspielt „Young Adult“ viel Potenzial, denn die Komödie könnte schonungsloser sein. So liefert sie leichte Unterhaltung für jene, die Alternativen suchen, aber wenig Veränderung wagen.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Paramount Pictures and Mercury Productions

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Young Adult“ im Kino in Berlin

Young Adult, USA 2011; Regie: Jason Reitman; Darsteller: Charlize Theron (Mavis Gary), Patton Oswalt (Matt Freehauf), Patrick Wilson (Buddy Slade); 94 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 23. Februar

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